30.08.2017

Anton Zeilinger erhält Bell-Preis

Der Quantenphysiker und ÖAW-Präsident wird gemeinsam mit Ronald Hanson und Sae Woo Nam für den ersten vollständigen experimentellen Nachweis des Phänomens der Quantenverschränkung mit dem international renommierten John-Stewart-Bell-Preis ausgezeichnet.

Die von Albert Einstein einst als „spukhafte Fernwirkung“ bezeichnete Verschränkung von Teilchen gibt Forscher/innen seit Generationen Rätsel auf: Zwar sind gemäß der Quantentheorie die Eigenschaften der Teilchen bis zu ihrer Messung unbestimmt, sobald diese allerdings an einem der Teilchen erfolgt, wirkt sie sich unmittelbar auf das – selbst in großer Distanz – verschränkte andere Teilchen aus. Für eine experimentelle Überprüfung dieses in der Theorie bereits vielfach bestätigten Befundes formulierte der Physiker John Stewart Bell bereits 1964 einen Vorschlag. Bei allen darauffolgenden Experimenten weltweit blieben jedoch Schlupflöcher, sogenannte „loopholes“, bestehen. Sie standen einer endgültigen Bestätigung des Phänomens der Quantenverschränkung bis vor kurzem im Wege.

Zeitgleich mit Ronald Hanson von der Technischen Universität Delft und Sae Woo Nam vom US-amerikanischen National Institute of Standards and Technology gelang es Zeilinger und seinem Forschungsteam an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und der Universität Wien, diese letzten wichtigen Schlupflöcher experimentell zu schließen. Aus Sicht des aus internationalen Expert/innen bestehenden Preisvergabekomitees der Universität Toronto beseitigten die Forscher damit „jeglichen ernsthaften Zweifel an der nicht-räumlichen Natur der Quantenverschränkung und öffnen Tore für aufregende neue Informationstechnologien“. Dafür wurden Zeilinger, Hanson und Nam am 28. August 2017 nun mit dem alle zwei Jahre vergebenen John-Stewart-Bell-Preis ausgezeichnet, der in der internationalen Fachwelt große Anerkennung genießt.

„Die Quantenverschränkung ist nicht spukhaft, sondern real. Das konnten wir mit unserem Experiment nachweisen. Die internationale Anerkennung durch die Verleihung des Bell-Preises sehe ich als Auszeichnung für mein gesamtes Team und auch für die vielen früheren Mitarbeiter meiner Gruppe“ so Anton Zeilinger.

Der nach dem nordirischen Physiker John Stewart Bell benannte Preis wird seit 2009 vom Centre for Quantum Information and Quantum Control an der Universität Toronto alle zwei Jahre für große Fortschritte in der Quantenphysik vergeben. 2015 ging der Preis schon einmal nach Österreich. Ausgezeichnet wurde Rainer Blatt, der am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation Innsbruck der ÖAW und der Universität Innsbruck forscht.

Zeilinger arbeitet seit nunmehr 40 Jahren mit Kollegen an diesen Themen: „Die große Überraschung ist, dass diese Forschung, die ursprünglich aus wissenschaftlicher Neugier begonnen wurde, nun zu Anwendungen führt, wie etwa einem künftigen Quanten-Internet.“