Was die Welt zusammenhält
Die Lange Nacht der Forschung an der ÖAW

4. April 2014, 17:00-23:00

Tibetische Medizin heute: zwischen Tradition und Industrie

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung konsumiert "traditionelle" Medizin. Doch wie funktioniert die dahinter stehende Pharmaindustrie? Welche Rolle spielt sie für Gesundheit, Wirtschaft und Politik? Wir gehen diesen Fragen am Beispiel der tibetischen Medizin nach und verfolgen die beginnende Industrialisierung und Internationalisierung eines auf traditionelle Medizin ausgerichteten Zweigs der Pharmaindustrie mit.

"Traditionelle" Medizin und Heilkräuter sind mittlerweile allgegenwärtig - nicht nur im globalen Süden, wo bis zu 80% der primären Gesundheitsversorgung davon abgedeckt wird, sondern auch in den industrialisierten Gesellschaften Europas und Nordamerikas. Die milliardenschwere traditionelle Pharma-Industrie ist eine der am schnellsten wachsenden, und gleichzeitig am wenigsten verstandenen Industrien weltweit. Wir wissen fast nichts über deren genaue Form, Größe, Entwicklung und Funktion. Auch über die Produktionsbedingungen, Herkunft und Qualität ihrer Produkte ist wenig bekannt.
Die tibetische Medizin bietet wegen ihrer überschaubaren Größe und erst jetzt beginnenden Industrialisierung ein gutes Beispiel für die traditionelle Pharmaindustrie auf globaler Ebene.

Wir präsentieren Ihnen unsere Forschungsarbeiten (ERC-Projekt „RATIMED“) in Indien, China, Bhutan und der Mongolei. Die gewonnenen Erkenntnisse zur tibetischen Medizin als moderne, transnationale pharmazeutische Industrie sollen einen generellen Einblick in die Dynamik der traditionellen asiatischen Pharmaindustrie ermöglichen.

Standort:
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Dr. Ignaz Seipel-Platz 2
Erdgeschoß
1010 Wien