14. November 2013

Friedrichsgrab im Blick der Forschung

Das Grabmal Kaiser Friedrichs III. im Wiener Stephansdom gibt noch manche Rätsel auf.

Im November 1513 wurden die sterblichen Überreste Kaiser Friedrichs III. in dem (fast) fertiggestellten Hochgrab im Apostelchor des Stephansdoms in Wien beigesetzt. Dieses Ereignis jährt sich heuer zum 500. Mal. Anlass für eine Fachtagung, die dieses herausragende Werk in all seinen reichen Facetten nach modernsten Methoden der verschiedenen historisch orientierten Wissenschaften erschließen soll. Veranstalter sind das Institut für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), die Erzdiözese Wien und das Metropolitan- und Domkapitel zu St. Stephan.

Memorialdenkmal mit einzigartiger Stilvielfalt
Das Grabmal Kaiser Friedrichs III. ist eines der bedeutendsten Kunstwerke des österreichischen Spätmittelalters. Seine Entstehungsgeschichte umspannt rund dreißig Jahre. Drei Bildhauer von überregionalem Rang sind dafür als ausführende Meister nachweisbar. Der berühmteste unter ihnen ist der vom Kaiser extra dafür aus Straßburg an seinen Hof berufene Niklas Gerhaert van Leyden. Seine Bedeutung und Vorbildwirkung in dieser spannungsreichen Zeit zwischen dem Spätmittelalter und der heraufziehenden Renaissance kann nicht überschätzt werden. Aber auch Michel Tichter, unter dessen Leitung es fertiggestellt wurde, war ein hoch talentierter und ideenreicher Bildhauer. „Durch seine lange Entstehungszeit und vermutlich auch den zweimaligen Meisterwechsel ist das Grabmal durch eine hochinteressante Stilvielfalt gekennzeichnet“, sagt die wissenschaftliche Leiterin der Tagung, Renate Kohn vom ÖAW-Institut für Mittelalterforschung. „Durch die eine oder andere Konzeptveränderung, vor allem durch die ungewöhnliche Hinzufügung der umlaufenden Brüstung, ist es zu einem Memorialdenkmal einzigartiger Form geworden.“

Dennoch ist es in seiner Gesamtheit bisher nur in geringem Ausmaß wissenschaftlich bearbeitet worden, lediglich die Deckplatte von Niklas Gerhaert van Leyden wurde immer wieder thematisiert. Im Zuge der Fachtagung stehen nun auch die übrigen, figurenreichen Teile des Grabmals im Mittelpunkt des Interesses von Historikern, Kunsthistorikern, Epigraphikern, Heraldikern und Theologen.

Schlussdiskussion: Lokalaugenschein im Dom
Den Abschluss der Tagung bildet eine groß angelegte Diskussionsveranstaltung im Apostelchor des Stephansdoms. Hier werden kunst- und kulturhistorische Themen ebenso im Zentrum stehen wie material- und herstellungstechnische Fragestellungen. „Wir erhoffen uns Antworten auf immer wieder gestellte Fragen. Beispielsweise, warum bei den Reliefdarstellungen der Stiftungen Friedrichs III. ausgerechnet das Bistum Wien fehlt“, so Tagungsleiterin Renate Kohn.


Interdisziplinäre Fachtagung zum Hochgrab Kaiser Friedrichs III.
Termin: 20.–22. November 2013
Ort: Festsaal des Erzbischöflichen Palais, 1010 Wien, Wollzeile 2
Veranstalter:
Institut für Mittelalterforschung der
Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Erzdiözese Wien
Metropolitan- und Domkapitel zu St. Stephan
Idee und Organisation: Dr. Renate Kohn (Institut für Mittelalterforschung der ÖAW)


Kontakt:
Dr. Renate Kohn
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Institut für Mittelalterforschung, Arbeitsgruppe Inschriften
Wohllebengasse 12-14, 1040 Wien
T +43 1 51581-7231
renate.kohn(at)oeaw.ac.at