16.01.2023

Farbenfroh in die Zukunft

Die Konservierung römischer Fresken im Stadtzentrum von Ephesos

Ephesos, Hanghaus 2, Wohneinheit 2, Raum SR 27a vor und nach der Restaurierung (© ÖAW-ÖAI/Ceren Gürçay Yılmaz; Niki Gail)

Das Hanghaus 2 in Ephesos ist ein beeindruckendes Denkmal für die Wohnkultur der römischen Eliten. Genau betrachtet handelt sich um eine 4000 Quadratmeter große Insula, auf der sieben Häuser auf drei Terrassen erbaut wurden. Die Innenausstattung besticht durch die Verwendung luxuriöser Materialien und hohe Handwerkskunst. Ins Auge stechen der:dem heutigen Betrachter:in sofort die Fresken, welche die Wände zahlreicher Räume zierten. Bei dem über Galerien geführten Rundgang durch das Hanghaus 2 offenbart sich die ganze Pracht dieser oft mehrere Meter hoch erhaltenen Malereien, deren Erhaltungszustand außergewöhnlich gut ist.

Dennoch haben verschiedene Ereignisse und Prozesse im Laufe der letzten 2000 Jahre den Fresken massiv zugesetzt. Immer wieder übermalt dienten die Wandflächen beispielsweise als Untergrund für Graffiti und Dipinti, Kritzeleien finden sich auf fast jeder bemalten Wand. Brandschäden und Deformationen gehen in den meisten Fällen auf die Zerstörung des Bauwerks im Zuge einer großen Erdbebenserie im späteren 3. Jahrhundert n. Chr. zurück. Unmittelbar danach waren viele Malereien des nun ruinösen und dachlosen Gebäudes Wind und Wetter preisgegeben, bevor sie langsam mit Erde bedeckt wurden.

Die Ausgrabungen des Hanghauses 2 ab den 1960er Jahren legten die Fresken Raum für Raum frei und trotz der sofortigen Errichtung von Schutzdächern waren sie neuerlich der Witterung sowie natürlich der Grabungstätigkeit selbst ausgesetzt und erlitten weitere Substanzverluste. Hinzu kamen erste Sicherungsmaßnahmen unter Verwendung von Materialien, die sich retrospektiv als schädlich für die antiken Oberflächen erwiesen. Erst die Errichtung des großen Schutzbaus im Jahr 2000 gab die Möglichkeit, den gesamten Bestand an Malereien zu sichten und deren Erhaltungszustand zu beurteilen. Dabei zeigten sich gravierende Schäden, die von leicht entfernbarem Schmutz, Schimmel- und Pilzbefall über diverse hartnäckige Verkrustungen bis hin zu großflächigen Ablösungen der Oberflächen reichen.

Es war ein Gebot der Stunde, mit Konservierungsmaßnahmen zu beginnen, um die Fresken im Hanghaus 2 nachhaltig zu sichern und einem einheitlichen Konzept zufolge zu präsentieren. Das auf Jahre ausgelegte Kulturerbeprojekt wird von Expert:innen der Ankara Hacı Bayram Veli Universität durchgeführt und sieht vor, dass ausschließlich Schäden behandelt, der antike Bestand gesichert und die Oberflächen gereinigt werden, von Ergänzungen oder gar Rekonstruktionen wird Abstand genommen. Jedes Jahr arbeiten über mehrere Monate Restaurierungsspezialist:innen mit Studierenden in Ephesos, Praktika werden angeboten und akademische Arbeiten sind im Entstehen. Neben den konservatorischen Aspekten ist auch die Attraktivität dieses Projekts für die Öffentlichkeit nicht zu unterschätzen. Den Besucher:innen des Hanghauses 2 wird ein unmittelbarer Einblick in restauratorisches Arbeiten geboten, die Arbeitsbereiche gut einsehbar sind.

Die Kooperation zwischen dem Österreichischen Archäologischen Institut und der Ankara Hacı Bayram Veli Universität soll auch in den nächsten Jahren fortgesetzt werden und wir hoffen wie in der Vergangenheit auf eine Unterstützung durch die Ephesus Foundation. Gemeinsam haben wir uns das ambitionierte Ziel gesetzt, die Farbenpracht der ephesischen Fresken für zukünftige Generationen erstrahlen zu lassen.