Untersuchungen zu diachronen Fernleitungen der Stadt Aigeira

Geomorphologisch bedingt, verfügte Aigeira über mehrere Fernwasserleitungen, die von archaischer Zeit bis in die Spätantike genutzt wurden. Das Wasser wurde geländeabhängig in Freispiegelleitungen oder durch Felsstollen geführt. Entsprechend dem veränderten Wasserbedarf stand dieses diachrone Versorgungssystem in enger Verbindung mit den Entwicklungsphasen der Stadt.

In den Jahren von 1996 bis 1999 wurden ausgedehnte Feldforschungen zur externen Wasserversorgung von Aigeira unternommen. Festgestellt wurden zahlreiche Befunde der diachronen Fernwasserleitungen, die von archaischer Zeit bis in die spätrömische Epoche dem Stadtraum vom Talinneren im Süden Wasser zuführten. Da der Siedlungsbereich größtenteils auf enormen Sand- und Mergelformationen lag und demnach einen Binnenversorgung über lokale Quellen und Brunnen nur begrenzt möglich war, musste der Wasserbedarf der Stadt über Zuleitungen von außen gedeckt werden.

Vorhellenistische Fernleitung


Punktuelle Befunde in Form diagnostischer Rohrleitungen belegen, dass bereits in vorhellenistischer Zeit Wasser von Süden an die archaisch-klassische Stadt herangeführt wurde.

Frühhellenistische Fernleitung


Eine frühhellenistische Fernleitung führte das Wasser von einem natürlichen Wasserdargebot etwa 1 km im Süden über eine Tonkastenleitung in die Stadt. Diese Leitung war abschnittsweise als Freispiegelleitung im Gelände verlegt. Geländebedingt wurde die Tonkastenleitung über weite Strecken durch einen in den anstehenden Fels gearbeiteten Leitungsstollen geführt, der in regelmäßigen Abständen von rechteckig anbindende Arbeitsstollen erschlossen wurde; diese dienten dem Vortrieb des Leitungsstollen und der Wartung der Leitung. Mit einer Breite von ca. 0,60 m und einer Höhe von etwa 1,70 m war der Leitungsstollen problemlos zu begehen.

Die Bauart der Tonkästen und die Erwähnung der Leitung in Verbindung mit dem Überfall der Aitoler auf Aigeira im Jahre 219 v. Chr., beschrieben bei Polybios, legen nahe, dass diese Wasserversorgung mit der hellenistischen Flächenstadt von Aigeira im 3. Jh. v. Chr. angelegt worden war. Im hellenistischen öffentlichen Zentrum existierte ein System von Binnenleitungen, das durch diese Fernleitung gespeist wurde und seinerseits das Wasser im Stadtraum verteilte.

Kaiserzeitliche und spätrömische Fernleitung


Punktuelle Befunde von in Ziegeln gemauerten Kanälen weisen auf die Weiterbenutzung der Fernleitung in der römischen Kaiserzeit, tief greifende Erneuerungen sind für die spätrömische Zeit zu belegen. Aufgrund massiver Erosionsvorgänge in Abschnitten der Freispiegelleitung wurde ein gemauerter Aquädukt errichtet, das intakte Stollensystem wurde weiter benutzt. Diese Erneuerung steht unter anderem mit dem Wasserbedarf spätrömischer Ton verarbeitender Werkstätten im Bereich des Theaters in Zusammenhang.

Die bisher gesicherten Befunde ermöglichen eine konzise synthetisch Darstellung und Einschätzung dieser Wasserversorgungssysteme und befinden sich in Publikationsvorbereitung.