Projektstart in Pompeji

Ein neues ÖAI-Projekt im Stadtzentrum von Pompeji widmet sich der Bauaufnahme der Casa di Arianna und Untersuchung der Fundkeramik.

Am 23. April 2018 startet das ÖAI unter der Leitung von Alexander Sokolicek ein neues Kooperationsprojekt in Pompeji. Die Arbeiten konzentrieren sich auf die Bauaufnahme der Casa di Arianna im Stadtzentrum Pompejis sowie auf die Analyse von Fundkeramik.

Die Casa di Arianna liegt an der Via degli Augustali, einer Straße, die in der Antike vor allem für die Parfum-Herstellung bekannt war, und gehört zu den repräsentativsten Anwesen der Stadt. Das Haus wird unter der Lizenzvergabe durch die Soprintendenza von Pompeji (Direktor Massimo Osanna) seit 2004 von Prof. Albert Ribera (Direktor der Stadtarchäologie von València) erforscht, mit dem das ÖAI 2018 einen Kooperationsvertrag abgeschlossen hat.

Im neuen Projekt stehen Stadtforschung und Studien zu Produktion und Handel von Keramik im Vordergrund. In Pompei hat sich nicht nur antike Stadtkultur außergewöhnlich gut erhalten; auch und vor allem die zahlreich erhaltene Keramik, die dem Transport, der Aufbewahrung und der Verarbeitung von Lebensmitteln diente, lässt Rückschlüsse auf den Handel und Umgang mit Wein, Öl, Fischsaucen und agrarischen Produkten zu. Daher werden speziell die Fragmente der Transportamphoren aus der Casa di Arianna genauer untersucht. Ein weiteres Thema, das für das Verständnis antiken Städtebaus wichtig ist, widmet sich der Frage, in wieweit älterer Baubestand in die Architektur des Hauses integriert wurde: wie bis heute üblich, wurden nicht mehr genutzte Gebäude oft nicht restlos entfernt, sondern gezielt bei der Errichtung neuer Gebäude genutzt. Diese Frage nach der »Transformation von Architektur« ist bei der Casa di Arianna besonders vielversprechend, weil die Hausmauern des Hauses ungewöhnliche Eigenheiten aufweisen, die auf die Existenz älterer, noch nicht erforschter Gebäude hinweisen. Für die Erforschung Pompejis und den Umgang mit Architektur ist die Casa di Arianna von besonderer Bedeutung, da das Haus auf dem Areal der ehemaligen Vorstadt des ältesten Stadtareals errichtet wurde.

Das ÖAI-Team besteht aus Christoph Baier (Bauforschung), Horacio González (Keramik), Christian Kurtze (Vermessung) sowie Alexander Sokolicek (Archäologie).