Eintauchen in die Welt des Deep Space

Das ÖAI präsentierte am 8. September 2017 im Rahmen des Ars Electronica Festivals einen virtuellen 3-D-Rundgang durch die ägyptische Festung Hisn al-Bab aus der Spätantike und dem Mittelalter.

Ausgestattet mit einer 3-D-Brille erlebten rund 150 Besucher/innen während des diesjährigen Ars Electronica Festivals in Linz einen virtuellen Rundgang durch die ägyptische Festung Hisn al-Bab aus dem 5.-10. Jahrhundert. Fast so, also wäre man direkt vor Ort im südlichen Ägypten, folgte man dem alten Zugangsweg, vom Nil kommend, bis zur imposanten Toranlage und gelangte in das Innere der Festung. Begleitet wurde der virtuelle Ausflug von Dr. Pamela Rose von der ÖAI Zweigstelle Kairo, die gemeinsam mit ihrem Team seit 2011 die Festungsanlage von Hisn al-Bab archäologisch untersucht.

Wissenschaft trifft Technik im Deep Space 8k
Wie bei archäologischen Ausgrabungen heute üblich, wurden die freigelegten Monumente der Festung mit einem 3-D-Laserscanner vermessen. Auf Basis dieser Scandaten der TU Wien erstellte das Team des Ars Electronica Future Lab der Ars Electronica eine 3-D-Visualisierung. Diese wurde nun der Öffentlichkeit im Deep Space, einem Raum mit einer 16 mal 9 Meter großen Wand- und Bodenprojektion, in 8k Auflösung präsentiert.

Für die Zukunft sichern
Die 3-D-Visualisierung ermöglicht es, die Festung, die heute nicht für Touristen zugänglich ist, erlebbar zu machen. Da das Monument selbst vor allem durch Raubgräber und Umwelteinflüsse, wie sintflutartige Regenfälle, bedroht ist, ist eine solche Visualisierung nicht nur eine Voraussetzung für nachhaltige Restaurierungsmaßnahmen, sondern auch eine wichtige Möglichkeit, die Forschungsergebnisse für die Zukunft zu dokumentieren.

Politischer Hotspot an der ägyptisch-nubischen Grenze
Die Festung Hisn al-Bab liegt in Sichtweite des Tempels von Philae bei Assuan hoch am Ufer des Nil. Sie befindet sich in jenem Grenzbereich zwischen dem ägyptischen Staat und dem nubischen Königreich, in dem auch in der Spätantike und dem Mittelalter diese beiden unterschiedlichen Kulturen immer wieder kriegerisch aufeinander trafen. Funde von Keramik aus den Küchen- und Lagerräumen zeichnen gemeinsam mit der Auswertung der botanischen und zoologischen Überreste ein deutliches Bild von der Lebensweise der Festungsbewohner und deren Handelsbeziehungen. Auch der wohl oft kriegerische Alltag spiegelt sich in mehreren Skelettfunden mit deutlichen Anzeichen grausamer Verletzungen wider.


Eröffnet wurde die Veranstaltung vom Leiter des Ars Electronica Center Christoph Kremer, dem OÖ Landeshauptmann Thomas Stelzer, dem Botschafter der Republik Ägypten Omar Amer Youssef sowie der Leiterin der Kulturpolitischen Sektion des Außenministeriums Teresa indjein, der Direktorin des Österreichischen Archäologischen Instituts Sabine Ladstätter und der Leiterin der Zweigstelle Kairo des Österreichischen Archäologischen Instituts Irene Forstner-Müller.