Zusammenfassung

»Die protourbanen Illyrer in Albanien und ihre Kontakte zu den Griechen«

Öffentlicher Festvortrag von emer.O.Prof. Dr. Andreas Lippert (Universität Wien)
8.11.2018, KHM


Im Südwesten des Balkans bilden sich bereits im ausgehenden Neolithikum und in der frühen Bronzezeit einige Elemente der späteren illyrischen Kultur heraus. So berühren am Ende des 3. Jahrtausends die nach Westen vorstoßenden südrussischen Steppenvölker auch die adriatische Küstengebiete, womit die nomadische Viehhaltung, aber auch die Begräbnisform unter einem Tumulus mancherorts aufgenommen wird. Kennzeichnend dafür ist ein Gründergrab, um das dann Nachbestattungen der Angehörigen erfolgen. In der mittleren Bronzezeit (18.-16.Jh.) setzen  stärkere  Beziehungen zur Ägäis ein, was sich an der Übernahme von bestimmten Gefäßformen, aber auch an Importen zeigt. In der späten Bronzezeit kommen erstmals große befestigte Höhensiedlungen und allgemein Grabhügel mit Sippenbestattungen auf.

Ab dieser Zeit läßt sich im südadriatischen Küstengebiet bis in die späte Eisenzeit eine klare kulturelle Kontinuität feststellen, man spricht von einer weitgehend einheitlichen Mat-Glasinac-Kultur, die nach einem nordalbanischen Fluß und der Hochebene von Glasinac in der Herzegowina benannt ist. In der frühen und mittleren Eisenzeit nehmen die Kontakte zur Ägäis weiter zu, um einen ersten Höhepunkt mit der Übernahme der griechischen Schutzbewaffnung und durch zahlreiche Importe gegen Ende des 7.Jhs.zu erreichen.

In der Jüngeren Eisenzeit (6.-5.Jh.) gibt es erste griechische Überlieferungen zu den weitverbreiteten illyrischen Stämmen. Es entstehen enge Kontakte, die vor allem von den griechischen Kolonien Dyrrhachion, Apollonia und Orikos an der albanischen Küste ins Hinterland ausgehen. In dieser für die Illyrer noch proturbanen Phase entsteht eine deutliche gesellschaftliche Schichtung und es kommen kleine Höhenburgen auf, in denen die regionale Macht, Handwerk und Handel untergebracht sind. Interessant sind nun auch die Beziehungen der Illyrer nach Norden und in den Donauraum, wohin nicht nur griechisches Gut, sondern auch illyrische Waffen und Schmuck gelangen.

Mitte des 4.Jhs. orientieren sich die Illyrer im südlichen und zentralen Albanien extrem stark nach dem griechischen Lebensstil und Stadtwesen. Es werden nun mehrere große binnenländische Städte nach griechischen Vorbild gegründet. Die Herrschenden lassen sich aber noch häufig nach alter Sitte prunkvoll bestatten, wie in Belsh oder Selca e Posthme. Im Nachleben illyrischer Kultur sind typische Eigenamen auf Grabsteinen oder auch illyrische Sprachreste auf Inschriften der nach Unteritalien schon in der Eisenzeit ausgewanderten illyrischen Messaper zu finden.