01.10.2021

Das ÖAI wird 123

Am 1. Oktober 1898 nahm das Österreichische Archäologische Institut seine Tätigkeit auf

Genehmigung Kaiser Franz Josef I. vom 15.3.1897 zur Gründung des ÖAI (© Staatsarchiv)

Am 1. Oktober 1898 nahm das k.k. Österreichische Archäologische Institut in Wien seine wissenschaftliche Arbeit auf. Etwa eineinhalb Jahre zuvor hatte Kaiser Franz Josef I. mit seiner Unterschrift die Genehmigung zur Gründung des ÖAI erteilt, denn nach drei Jahren aufwendiger Grabung in Ephesos (seit 1895) waren die Verantwortlichen zur Erkenntnis gelangt, dass für die Abwicklung eines solchen langjährigen Grabungsprojektes ein eigenes Institut notwendig geworden war.

Zu dieser Zeit hatte das ÖAI die Aufgabe, alle Aktivitäten der Monarchie auf dem Gebiet der Klassischen Archäologie zu vereinen. Dazu gehörten wissenschaftliche Forschung (speziell Ausgrabungen im In- und Ausland sowie deren Publikation), die Administration der damals zu Österreich gehörigen Museen in Aquileia, Pula, Zadar und Split sowie die Vergabe von Auslandsstipendien.

Die Auslandsstationen des k.k. Ministeriums für Cultus und Unterricht in Konstantinopel/Istanbul, Smyrna/Izmir und Athen wurden 1898 vom ÖAI übernommen. Das Sekretariat in Konstantinopel wurde 1901 aufgelassen, während in Athen die Büros in ein eigenes Gebäude übersiedelten. Das Institutsgebäude der Zweigstelle Athen wurde nach Plänen des Architekten Ernst Ziller auf einem vom griechischen Staat zu diesem Zweck geschenkten Grundstück an der Leoforos Alexandras errichtet und 1908 eröffnet. Von 1947–2003 war auch die Österreichische Botschaft in diesem Gebäude untergebracht.

Die Ausgrabungen in Ephesos begannen 1895 unter der Direktion des Instituts und standen anfangs unter der Kontrolle der Zweigstelle in Smyrna. In Griechenland unternahm das ÖAI regionale Surveys in Lousoi, Elis und Aigeira (Peloponnes) – Orte, die wie Ephesos im Fokus österreichischer archäologischer Forschungen blieben.

In den wirtschaftlich schwierigen Zeiten nach dem Zusammenbruch der Monarchie gelang es dem Institut, aktiv zu bleiben, doch wurde die Zweigstelle in Izmir aufgelassen und der Personalstand auf ein Minimum reduziert. Sein Fortbestehen konnte in der Folge jedoch nur durch seine Eingliederung in die Universität Wien (1935) gesichert werden. Aber auch in diesen schwierigen Zeiten wurden zahlreiche Forschungsprojekte vorangetrieben, darunter die Freilegung und Konservierung des Amphitheaters II von Carnuntum in den 1920er Jahren.

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich (1938) verlor das Institut 1939 seine Unabhängigkeit und wurde Zweigstelle des Archäologischen Instituts des Deutschen Reichs. 1954 konnte der Status von 1935 wiederhergestellt werden.

Mit einer nur kleinen Belegschaft setzte das ÖAI seine wissenschaftlichen Aktivitäten nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem mit Ausgrabungen im Inland fort. In den 1950er Jahren wurden die Ausgrabungen in Ephesos erneut aufgenommen, 1964 wurde die Außenstelle in Athen wiedereröffnet und 1973 zudem eine Außenstelle in Kairo gegründet.

Heute ist das ÖAI eine Forschungseinrichtung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Seine über 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den zwei Standorten in Wien sowie in vier Außenstellen in Athen, Kairo, Ephesos und Krems sind verantwortlich für rund 200 Projekte im In- und Ausland. Kernaufgabe des ÖAI ist die Erforschung der Menschheitsgeschichte vom Quartär bis in die Neuzeit unter Berücksichtigung aller materieller archäologischer Quellen und schriftlicher Überlieferung. Das Institut besteht aus den drei Abteilungen Prähistorie & Westasien/Nordostafrika-ArchäologieHistorische Archäologie und Altertumswissenschaften, die den gesamten Fächerkanon und die Methodenvielfalt der von ihnen vertretenen Disziplinen abdecken.