Archäologische Feldforschungen in der nördlichen Chora von Limyra (Toçak Dağı), Lykien

Der Bergstock des Toçak Dağı bildet das nördliche Hinterland von Limyra. Er weist bis in seine Gipfellagen vielfältige Spuren antiker Nutzung auf. Projektziel ist eine systematische Untersuchung der archäologischen Oberflächenbefunde, um Erkenntnisse über die Nutzung und historische Entwicklung der nördlichen Chora Limyras in der Antike zu gewinnen.

Topografie


Der Toçak Dağı erhebt sich als letzter südlicher Ausläufer des Hochgebirges der Beydağları über der Küstenebene von Finike. Im Westen wird der Bergstock von dem Tal des Aykır Çayı, des antiken Arykandos, begrenzt, im Osten von dem des Alakır Çayı. Beide Flusstäler waren in der Antike wichtige Routen zwischen der Küste und dem gebirgigen Landesinneren. Der Alakır Çayı bildete zugleich wohl die Grenze zur Nachbarstadt Rhodiapolis.

Die Siedlung auf dem Südgipfel


Der Gipfelbereich des Toçak Dağı besteht aus einem plateauartigen Südgipfel (1.197 m) und einem Nordgipfel (1.220 m). Das etwa 2.800 m² große Gipfelplateau des Südgipfels war von einem Mauerring umschlossen. Am stärksten war die Befestigung an der Nordseite ausgeführt, wo vier Türme zusätzlichen Schutz boten. Technische Details wie das Fehlen von Binderblöcken und bautypologische Vergleiche weisen auf eine Errichtung der Anlage in klassischer Zeit; diese Datierung wird auch von Keramikfunden gestützt. Angesichts der Größe des ummauerten Bereichs kann eine rein militärische Interpretation ausgeschlossen werden. Reste von Binnenbebauung legen indes nahe, dass es sich um eine befestigte Höhensiedlung handelte. Als agrarische Grundlage dieser Siedlung kommt die etwa 7 ha große Geländeterrasse unweit westlich infrage, deren antike Nutzung durch Oberflächenkeramik belegt ist.

Der Wachposten auf dem Nordgipfel


Eine Befestigungsanlage auf dem nahen Nordgipfel umschloss ein Areal von etwa 700 m² und dürfte gleichzeitig mit der Siedlung auf dem Südgipfel in klassischer Zeit errichtet worden sein. Es handelte sich wohl um einen Wachposten oder eine Festung: Von hier aus lassen sich die Flusstäler des Arykandos und des Alakır Çayı nach Norden hin überblicken und der Passübergang nördlich des Toçak Dagı kontrollieren. 

Der lykische Herrensitz und die Gehöfte am Hang des Koruca Tepe


Der etwa 335 m hohe Koruca Tepe ist ein östlicher Ausläufer des Toçak Dağı am Ausgang des Alakır Çayı-Tals. An seinem Südosthang befand sich ein lykischer Herrensitz klassischer Zeitstellung, der auf zwei künstlich aufgeschütteten Terrassen errichtet worden war. Die westliche Terrasse mit einer qualitätvollen Quadermauer trug den Wohntrakt mit einer Grundfläche von etwa 150 m². Auf der weniger aufwendig gestalteten östlichen Terrasse befand sich wohl der Wirtschaftstrakt der Anlage. Etwas unterhalb liegen die Reste von mindestens zwei antiken Gehöften. Keramikfunde und bautypologische Vergleiche legen auch für sie eine Errichtung in klassischer Zeit nahe. Reste von Pressanlagen weisen auf die Produktion von Olivenöl hin. 

Die befestigte Siedlung auf dem Koruca Tepe


Den oberen Bereich des Koruca Tepe nahm eine Siedlung ein, deren Befestigungsmauer die Geländeform nutzte: Der talseitige Schenkel riegelte den Hang auf etwa 265 m Seehöhe nach unten ab. Zwei weitere Mauerschenkel folgten den Kanten der zu beiden Seiten des Hanges verlaufenden Klippen bis zu dem Gipfel. Der so gebildete Mauerring umfasste ein annähernd dreieckiges Areal von etwa 0,9 ha Grundfläche. Der Gipfelbereich wurde als eine Art Burg vom Rest der Siedlung abgetrennt. Die Mauertechnik der ältesten Mauerabschnitte spricht für eine Errichtung in hellenistischer Zeit. 

Die strategische Lage der Siedlung sowie die Dimensionen und die Qualität des Befestigungsrings legen eine Gründung durch Limyra nahe. Die Siedlung auf dem Koruca Tepe sollte wohl den strategisch wichtigen Ausgang des Alakır Çayı-Tals kontrollieren und die Grenze zur östlichen Nachbarstadt Rhodiapolis bewachen. Reste von Bauten innerhalb des Mauerrings zeugen von einer zweiten Blüte der Siedlung in der Spätantike. Aus dieser Zeit sind mehrere Zisternen sowie eine kleine Kirche mit Apsis erhalten; auch die Befestigung wurde wieder instand gesetzt.