Trogir Through Time

Im Jahr 2017 wurden Kooperationsverträge mit dem Museum Trogir und dem Institut für Archäologie in Zagreb geschlossen, um das antike Tragurion/Tragurium und sein Hinterland diachron und interdisziplinär zu erforschen. Das in Mitteldalmatien an der kroatischen Adriaküste gelegene Trogir bietet eine hervorragende Möglichkeit, die illyrische, griechische und römische Besiedlung dieses Territoriums näher zu beleuchten. Die Forschungen erfolgen mit Unterstützung des kroatischen Kulturministeriums.

Blick über Trogir (Foto: ÖAW-ÖAI/M. Steskal)
Blick über Trogir (Foto: ÖAW-ÖAI/M. Steskal)

Das antike Tragurion wird Ende des 3. Jhs.  v. Chr. von der griechischen Kolonie Issa (die heutige Stadt Vis auf der gleichnamigen Insel) gegründet. Dies korreliert mit dem typischen Muster griechischer Koloniegründungen in diesem Raum, in dem zunächst die Inseln und erst mit zeitlichem Abstand das Festland besiedelt werden. Zur selben Zeit beginnt eine intensive Interaktion mit der autochthonen, als illyrisch bezeichneten Bevölkerung, deren konkrete Erscheinungsform bis heute nicht vollständig verstanden ist. Im Rahmen des Projekts »Trogir Through Time« soll nun einerseits dieser Übergang von einer proto-urbanen Siedlungsform zu einer griechischen Kolonie beleuchtet und andererseits die in diesem Raum erst sehr spät erfolgte aktive Einflussnahme Roms hinterfragt werden. Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses steht dabei das Zusammenleben der autochthonen Bevölkerung mit den neuen Siedlern unter den wechselnden politischen Rahmenbedingungen dieser offenbar sehr schwer administrierbaren Region. Darüber hinaus soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit sich externe kulturelle Einflüsse im Alltag und der materiellen Kultur manifestieren. 

Trogir. Venezianische Festung Kamerlengo aus dem 15. Jh. (Foto: ÖAW-ÖAI/M. Steskal)
Trogir. Venezianische Festung Kamerlengo aus dem 15. Jh. (Foto: ÖAW-ÖAI/M. Steskal)
Orijovišćak. Umwalltes Hügelareal (sog. Hillfort) der autochthonen Bevölkerung (Foto: ÖAW-ÖAI/M. Steskal)
Orijovišćak. Umwalltes Hügelareal (sog. Hillfort) der autochthonen Bevölkerung (Foto: ÖAW-ÖAI/M. Steskal)

Methoden


Im Rahmen des Kooperationsprojekts sind intensive, extensive und geophysikalische Surveys sowie stratigrafische Grabungen geplant. Die Surveys sollen dabei eine bereits existierende Kartierung der antiken Hinterlassenschaften im Territorium von Tragurion konkretisieren und vervollständigen. Im dichtest bebauten Stadtgebiet des heutigen Trogir, das seit 1997 auch Weltkulturerbe der UNESCO ist, sollen zudem durch ausgewählte stratigrafische Grabungen Fragen der Stadtplanung, vor allem aber auch der Chronologie und Nutzungsgeschichte aus einer diachronen Perspektive geklärt werden. Konkrete feldarchäologische Forschungen sind auch zu den umwallten Hügelarealen (sog. Hillforts) der autochthonen Bevölkerung geplant, insbesondere auch zu den unterschiedlichen Bestattungsplätzen und den auf dem Territorium befindlichen Villen.

Stari Trogir. Reste einer römischen Villa Maritima (Foto: ÖAW-ÖAI/M. Steskal)
Stari Trogir. Reste einer römischen Villa Maritima (Foto: ÖAW-ÖAI/M. Steskal)