Wirtschaft und Entwicklung der nordionischen Polis Teos

 

Teos war eine der bedeutendsten Städte Ioniens. Durch archäometrische Untersuchungen konnte nun nachgewiesen werden, dass es in spätgeometrischer und archaischer Zeit (ca. 800 - ca. 400 v. Chr.) auch ein großes Töpferzentrum war. Im Rahmen des Kooperationsprojekts werden Keramikproduktion und Siedlungsentwicklung des vorhellenistischen Teos untersucht.

Teos, Fehlbrände teischer Transportamphoren (Foto: Teos Arkeoloji Projesi/A. v. Miller)
Teos, Fehlbrände teischer Transportamphoren (Foto: Teos Arkeoloji Projesi/A. v. Miller)

Die große Unbekannte unter den Städten des archaischen Ioniens


Teos war eine der größten und wirtschaftlich stärksten Poleis des archaischen Ioniens. Im 6. Jh. v. Chr. gründete es zwei Kolonien: Abdera an der thrakischen Ägäisküste und Phanagoreia am Kimmerischen Bosporos. Obwohl die Bedeutung von Teos aus den Schriftquellen schon lange bekannt war, gibt es erst seit 2010 systematische Ausgrabungen der Universität Ankara unter Leitung von M. Kadıoǧlu. In dem Kooperationsprojekt von ÖAI und Universität Ankara werden die vorhellenistischen Phasen der Stadt, ihre materielle Kultur und ihre wirtschaftliche Entwicklung erforscht.

Ein großes Töpferzentrum in Nordionien


Der Fund von Fehlbränden aus dem 6./5. Jh. v. Chr. in den Grabungen 2011 und 2012 lieferte den Schlüssel für die archäometrische Bestimmung der lokalen Keramikproduktion. H. Mommsen konnte mittels Neutronenaktivierungsanalyse den chemischen Fingerabdruck von Teos definieren. Es handelt sich um eine Herkunftsgruppe, deren Erzeugnisse in archaischer Zeit weithin exportiert wurden.

Ein Großexporteur archaischer Zeit


Die Blüte der teischen Keramikproduktion beginnt in der spätgeometrischen Epoche mit Vogelkotylen und Vogelkannen. Ab der Mitte des 7. Jhs. v. Chr. findet sich bemalte Feinkeramik aus Teos nicht nur in der Ost- und Nordägäis, sondern auch im Schwarzen Meer, in der Levante, im ägyptischen Naukratis und in Italien. Als Erste in Ionien schafften es die teischen Töpfer durch eine Standardisierung ihrer Produktion, auch auf weit entfernten Märkten konkurrenzfähig zu sein. Ihre erfolgreichsten Schöpfungen waren die Vogel- und Rosettenschalen. Ab der Mitte des 6. Jhs. v. Chr. finden auch ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse regen Absatz, wie die weite Verbreitung der Transportamphoren zeigt, besonders am Schwarzen Meer, in Ägypten und in Italien.

Teos, Fragment einer Vogelkanne aus einem spätgeometrischen Brandgrab der Westnekropole (Foto: Teos Arkeoloji Projesi/A. v. Miller)
Teos, Henkelplatte eines teisch-schwarzfigurigen Kraters mit Darstellung einer Sirene (Foto: Teos Arkeoloji Projesi/C. Özbil)