Der Hafen von Tell el-Dab’a

Tell el-Dab’a, das antike Avaris, die Hauptstadt der Hyksos, war im 2. Jts. v. Chr. eine der größten Städte des Alten Orients und ein wichtiger Hafen für Binnen- und Hochseeschifffahrt. Die Zweigstelle Kairo des ÖAI unternimmt seit 2013 archäologische Untersuchungen zur Erforschung dieses Hafens.

Lage und historische Bedeutung


In Tell el-Dab’a, dem im östlichen Nildelta gelegenen antiken Avaris, finden seit mehr als 40 Jahren Grabungen des ÖAI statt. Die Stadt nahm zur Zeit ihrer Hochblüte, der Herrschaft der Könige der 15. Dynastie, eine Fläche von mehr als 260 ha ein und war mit einer Bevölkerungszahl von 28.800 bis 34.600 Einwohnern eine der größten Städte des Alten Orients im 2. Jts. v. Chr.

Avaris als Handelszentrum und als Hafen


Ab dem Späten Mittleren Reich (Ende der 12. Dynastie) war Avaris ein wichtiges Handelszentrum und ein bedeutender Hafen. Dies ist nicht nur aus Textquellen bekannt, sondern auch durch die enorme Anzahl an Importen, vor allem Keramik aus der Levante und aus Zypern. Nach einem Hiatus während der 18. Dynastie wird Avaris der Hafen von Piramesse, der Deltaresidenz der Ramessiden. Jedoch kann der Ort nicht mit Peru Nefer, dem Flottenstützpunkt der 18. Dynastie, identifiziert werden. 

Flussarme und strategische Lage


Avaris lag am Pelusischen Nilarm, dem östlichsten Deltaarm, in einer hervorragenden Lage als Ausgangspunkt zwischen Niltal und Vorderem Orient. Von hier aus starteten Expeditionen über Land zum Sinai und in die Levante, gleichzeitig auch Expeditionen auf dem Seeweg in das Mittelmeer.

Das Areal ist mit dem Hauptfluss durch zwei Kanäle, einem im Norden und einem im Süden, verbunden. Dieser Bereich der Stadt, der sich durch eine Depression im modernen Gelände abzeichnet, war bereits in der geophysikalischen Prospektion als großes (natürliches oder künstliches) Becken zu erkennen.

Archäologische Ausgrabungen


Der aktuelle Forschungsschwerpunkt liegt auf der Lokalisierung und Untersuchung der Häfen und Anlegestellen innerhalb der Stadt. Seit 2013 werden Ausgrabungen im vermuteten Haupthafen der Stadt (Areal R/IV und Areal A/VI) unternommen. Neben einer großen Anzahl von Gräbern aus der 15. Dynastie konnten eine massive Stadtmauer und ein Kanal aus dem Mittleren Reich festgestellt werden. Aus der Verfüllung des Kanals wurde eine Reihe von Siegelabdrücken, und zwar sowohl ägyptische Stempelsiegelabdrücke mit Beamtennamen als auch vorderasiatische Rollsiegel, geborgen, was Anlass zu der Vermutung gibt, dass in der Nähe ein Umschlagplatz für mit Schiffen angelieferte Waren existierte.