Urbanistische Entwicklung Limyras in hellenistischer Zeit

Das FWF-Projekt »Urbanistische Entwicklung Limyras in hellenistischer Zeit« erforscht Ausdehnung, Struktur und Stadtbild der ostlykischen Stadt Limyra (Türkei) vor allem ab der Herrschaft der Ptolemäer bis in die frühe Kaiserzeit unter Berücksichtigung des historischen Kontextes.

Ausdehnung und Charakter von Zẽmuri/Limyra nach dem Ausbau zu einer Residenzstadt durch den Dynasten Perikle zu Beginn des 4. Jhs. v. Chr. sind durch langjährige Grabungen hinlänglich erforscht. Die vergleichsweise geringe Kenntnis der urbanen Entwicklung Limyras in hellenistischer Zeit ist jedoch symptomatisch für die archäologische Erforschung Lykiens, denn die Situation in den anderen großen Städten dieser Region wie Xanthos und Patara ist ähnlich.

Vorarbeiten und erste Ergebnisse


Vorarbeiten zu diesem Projekt erbrachten erste Erkenntnisse zu der Ausdehnung der Stadt, dem Straßenraster sowie zu der Änderung des wohl in hellenistischer Zeit etablierten urbanen Gefüges. So konnte in der ›Weststadt‹ Limyras die im Rahmen einer Siedlungserweiterung bereits während der Herrschaft der Ptolemäer entstandene Stadtmauer entdeckt werden. Bisher untersuchte Spolien aus den spätantiken Stadtmauern belegen mehrere monumentale Tempelbauten hellenistischer Zeit, die das Stadtbild zweifellos entscheidend prägten. Auch die ersten Ergebnisse der geophysikalischen Untersuchungen werfen ein neues Licht auf die Entwicklung der Stadt und zeigen, dass die wohl in der hellenistischen Periode etablierte einheitliche Orientierung der Bebauung aus einem bisher noch nicht näher definierbaren Anlass zumindest partiell aufgegeben wurde.

Limyra, hellenistische Stadtmauer. Ansicht von Süden (Foto: ÖAW-ÖAI/R. Hügli)
Limyra, in der spätantiken Stadtmauer verbauter Bukranienfries eines hellenistischen Tempels (Foto: ÖAW-ÖAI/R. Hügli)

Methode


Die Feldarbeit des Projekts wird sowohl mit non-invasiven (Geophysik, Spolienprojekt) als auch mit invasiven (Geoarchäologie, Grabungen) Methoden durchgeführt. Diese Untersuchungen verfolgen in erster Linie das Ziel, einen Überblick über den allgemeinen Bestand der Monumente vor allem in hellenistischer Zeit sowie ihre Ausrichtung zu gewinnen. Mit den geoarchäologischen Bohrungen sollen Erkenntnisse zu der Datierung von im Zuge der Geschichte der Stadt neu entstandenen Wasserläufen des Limyros sowie deren offensichtlichen Auswirkungen auf die städtebauliche Entwicklung gewonnen werden. Mehrere gezielte Schnitte kleineren Umfangs dienen der Erfassung der Stadtgrenzen, der Charakteristik und der Datierung hellenistischer Bebauung sowie der Gewinnung von Informationen bezüglich der Aufgabe der einheitlichen Orientierung, wahrscheinlich in der frühen Kaiserzeit.

Weiterführende Erkenntnisse


Durch den Vergleich mit archäologischen Ergebnissen in anderen lykischen Städten wie Patara oder Xanthos lassen die zu erwartenden Einsichten in die bauliche Entwicklung Limyras während der hellenistischen Zeit, in die Chronologie der Stadtentwicklung sowie in funktionale Raumnutzung wesentliche Aufschlüsse über die baulichen Aktivitäten dieser Epoche an der Südwestküste Kleinasiens insgesamt erhoffen.