Istrien: Archäologische Prospektion der Bucht von Medulin

Die archäologische Prospektion der Bucht von Medulin ist Teil des von der EU finanzierten Projekts »Archäologischer Park Vižula«, welches 2016 unter der Leitung der Gemeinde Medulin (Istrien, Kroatien) eingereicht wurde. Projektziel sind der Erhalt und die öffentlichkeitswirksame Präsentation der römischen architektonischen Reste von Vižula, einer sog. Villa maritima. Ein wichtiger Teil des Projekts ist die Beschaffung neuer Datengrundlagen mittels integrierter archäologischer Prospektion. Die aus einer Kombination von Fernerkundung und Geophysik generierten Daten bilden die Grundlage für die im Rahmen des neuen archäologischen Parks benötigten Visualisierungen; darüber hinaus dienen sie dem besseren Verständnis der römischen Landschaft in der umliegenden Region.

Halbinsel Vižula mit den vor den Prospektionsarbeiten bekannten Gebäudekomplexen (A–G) und der römischen Straße (H) (Grafik: I. Miholjek, HRZ)
Halbinsel Vižula mit den vor den Prospektionsarbeiten bekannten Gebäudekomplexen (A–G) und der römischen Straße (H) (Grafik: I. Miholjek, HRZ).

Die Halbinsel Vižula


Die etwa 24 ha umfassende Halbinsel Vižula liegt an der Westküste von Istrien, etwa 10 km südlich der Stadt Pula, dem kulturellen und administrativen Zentrum der Region in der Römerzeit. Die Halbinsel bietet einen umfassenden Ausblick auf die etwa 8 km lange Bucht von Medulin, in welcher sich neun kleine Inseln befinden. Vižula hat heute eine Geländehöhe von etwa 13 m über dem Meeresspiegel und ist durch eine schmale Landbrücke mit dem Festland verbunden. Die Halbinsel ist mit dichter mediterraner Vegetation bedeckt und wird als Erholungs- und Badegebiet genutzt.

Die römische Architektur von Vižula erstreckt sich auf einer Länge von mehr als 1 km. Aufgrund des seit der Römerzeit angestiegenen Meeresspiegels liegen ehemalige küstennahe Gebäudereste heute unter Wasser. Systematische Ausgrabungen seit den 1980er Jahren haben zahlreiche kaiserliche und spätantike Gebäudekomplexe an Land und unter Wasser entdeckt, darunter eine luxuriöse Villa, eine Schiffsanlegestelle sowie Überreste einer römischen Straße und ein Gräberfeld.

Großflächige geophysikalische Prospektion mit dem motorisierten LBI ArchPro Radarsystem (Foto: I. Miholjek, HRZ)
Großflächige geophysikalische Prospektion mit dem motorisierten LBI ArchPro Radarsystem (Foto: I. Miholjek, HRZ)

Archäologische Fragestellung


Die heutige Form der Halbinsel Vižula ist das Ergebnis einer dynamischen Landschaftsentwicklung, die zu allen Zeiten Veränderungen unterworfen war. Den größten Einfluss hatte dabei der ansteigende Meeresspiegel, wodurch die römische Architektur ihren landschaftlichen Kontext verlor. Um dieser Tatsache Rechnung zu tragen, wurde 2014 begonnen, Vižula großflächig zu prospektieren; die dafür gewählten Methoden sollten archäologisch relevante Strukturen sowohl an Land als auch unter Wasser dokumentieren. Zunächst wurde unter Anwendung hochauflösender, motorisierter Georadarsysteme eine Fläche von fast 2 ha in Zusammenarbeit mit dem LBI ArchPro Wien gemessen. Im Frühjahr 2018 konnte zudem die gesamte Bucht von Medulin durch flugzeuggetragenes Laserscanning (Airborne Laser Scanning – ALS, auch als Airborne LiDAR bekannt) vermessen. Auf der etwa 17 km² großen Fläche kam dabei ein grüner Laser zum Einsatz, der es erlaubte, die Topografie bis in eine Wassertiefe von ca. 10 m mit einer Auflösung von 0,5 m zu erfassen. Dadurch konnte ein hochaufgelöstes, von der Vegetation befreites digitales Geländemodell abgeleitet werden, welches römische Strukturen und landschaftliche Merkmale sowohl an Land als auch unter Wasser darstellt.

Die Kombination der interpretierten Prospektionsdaten mit den durch die archäologischen Ausgrabungen gewonnenen Befunden erbringt neue Erkenntnisse zur landschaftlichen Entwicklung der Region, welche im Rahmen des archäologischen Parks vermittelt werden sollen.

Die römische Architektur von Vižula erstreckt sich auf einer Länge von mehr als 1 km. Aufgrund des seit der Römerzeit angestiegenen Meeresspiegels liegen ehemalige küstennahe Gebäudereste heute unter Wasser. Systematische Ausgrabungen seit den 1980er Jahren haben zahlreiche kaiserliche und spätantike Gebäudekomplexe an Land und unter Wasser entdeckt, darunter eine luxuriöse Villa, eine Schiffsanlegestelle sowie Überreste einer römischen Straße und ein Gräberfeld.

Unterwassergrabungen im Bereich der Schiffsanlegestelle: Die etwa 40 m lange Mole wurde mehrmals verlängert; bei ihrem letzten Umbau wurden auch Spolien verwendet (Foto: I. Miholjek, HRZ)
Unterwassergrabungen im Bereich der Schiffsanlegestelle: Die etwa 40 m lange Mole wurde mehrmals verlängert; bei ihrem letzten Umbau wurden auch Spolien verwendet (Foto: I. Miholjek, HRZ)
Ein Teil der zahlreichen Mauerwerke, die heute zum Teil unterhalb des Meeresspiegels liegen (Foto: M. Doneus)
Ein Teil der zahlreichen Mauerwerke, die heute zum Teil unterhalb des Meeresspiegels liegen (Foto: M. Doneus)