Forschungen im Suburbium von Ephesos

Stadt und Landschaft von Ephesos waren einem dynamischen Entwicklungsprozess unterworfen, der von unterschiedlichen Kriterien beeinflusst wurde. Eine intensive geophysikalische Prospektion der Siedlungsflächen sowie ausgedehnte paläogeografische Bohrungen haben in den letzten Jahren maßgebliche neue Daten für eine Rekonstruktion der Landschaftskammer von Ephesos von der ersten Siedlungstätigkeit im 7. Jts. v. Chr. bis in die Gegenwart erbracht, deren Auswertung in einem aktuellen Forschungsprojekt geplant ist.

Ephesos, Suburbium. Oberflächensurvey der Universität Wien (Foto: Universität Wien/G. Schörner)

Die Materialbasis


Um die Vorstädte von Ephesos gründlicher zu erforschen, wurden von 2013 bis 2015 drei Oberflächensurveys durchgeführt. Methodisch sind die Begehungen als ›on-site-Survey‹ anzusprechen, mit einer systematischen Begehung nach Einzelfeldern, die sich nicht auf spezifische Fundstätten konzentrieren, sondern ein möglichst großes Gebiet im Umland von Ephesos erfassen. Insgesamt konnten inzwischen etwa 320.000 m² auf diese Weise begangen und das Fundmaterial quantitativ erfasst oder aufgesammelt werden.

Survey entlang des Hafenkanals


Entlang des Hafenkanals wurden Flächen begangen, die im Vorfeld bereits geophysikalisch untersucht worden waren und sowohl dicht bebaute als auch bebauungsfreie Areale zeigten. Die Oberflächenfunde lassen in quantitativer Hinsicht zwar keine Unterschiede erkennen, allerdings differieren sie in ihrer Zusammensetzung. Die im bebauten Areal überrepräsentierten Küchenwaren und Amphoren deuten auf eine häusliche Nutzung hin, während das Material aus anderen Flächen entweder mit Nekropolen oder auch mit sekundären Planierungen in Verbindung gebracht werden kann. Die Keramik setzt im späten Hellenismus ein und reicht bis in das 5./6. Jh. n. Chr., byzantinisches Fundmaterial fehlt dagegen.

Ephesos, Suburbium. Messflächen am Hafenkanal (Karte: ÖAW-ÖAI/C. Kurtze)

Survey in der östlichen Vorstadt


Die Region im Süden und Südosten des Magnesischen Tors bis zu dem modernen Ort Acarlar gehört zum unmittelbaren vorstädtischen Gebiet von Ephesos. Zu vermuten waren Gräber, insbesondere entlang der Verbindungsstraße nach Magnesia am Mäander, aber auch handwerkliche und landwirtschaftliche Nutzung mit dementsprechender Verbauung. Interessant war die Beobachtung, dass – anders als entlang des Hafenkanals – unterschiedliche Artefakt-Häufigkeiten erfasst werden konnten. Unmittelbar außerhalb der Fortifikation ist die höchste Dichte zu verzeichnen, die wohl städtisches Abfallverhalten widerspiegelt. Fehlbrände zeigen in diesem Areal auch Keramik produzierende Werkstätten an. Wohl auf Grabbauten geht die hohe Ziegelkonzentration in einzelnen Feldern zurück, die durch Fragmente von Grabinschriften bestätigt werden. Die Verarbeitung landwirtschaftlicher Güter ist durch Reste von Pressen und Mühlen belegt.

Ephesos, Suburbium. Funddichte in der östlichen Vorstadt (Foto: ÖAW-ÖAI/C. Kurtze)
Ephesos, Suburbium. Funddichte in der östlichen Vorstadt (Foto: ÖAW-ÖAI/C. Kurtze)

Die nördliche Vorstadt: Surveyvorhaben für die Zukunft


Die Vorstädte von Ephesos sind trotz intensiver Forschungen während der letzten Jahren noch immer weitgehend unbekannt. Dies trifft insbesondere für ein weiträumiges Gebiet im Norden der Stadt zu, das nur partiell geophysikalisch prospektiert werden kann, da große Plantagen weitere Messungen verhindern. Das hohe Aufkommen an Oberflächenfunden lässt auch in diesem Bereich eine Vorstadt mit dichter Bebauung erahnen, die im Zuge von Surveykampagnen intensiv untersucht werden soll.