Der Ostfriedhof des Areals A/II in Tell el-Dab’a

Der Fundort Tell el-Dab‘a, das antike Avaris, liegt im ägyptischen Nildelta, in der modernen Provinz Sharqeya. Avaris – eine der bedeutendsten Metropolen des 2. Jtsds. v. Chr. im Vorderen Orient und Hauptstadt der ägyptischen 15. Dynastie – war zeitweise eine der größten Städte Ägyptens und Vorderasiens.

Im Osten der Stadt Avaris liegt das Areal A/II. In diesem Bereich entstand mit Ende der 12./Beginn der 13. Dynastie ein sakraler Bezirk mit verschiedenen Tempeln, deren Architektur sowohl von ägyptischen als auch vorderasiatischen Bautraditionen beeinflusst war. Als Dynastiegott wurde der ägyptische Gott Seth in seiner synchronistischen Form als Seth/Baal Zephon, der syrische Sturmgott, eingesetzt. Neben zwei Tempeln mit vorderasiatischem Grundriss finden sich auch Grab-/Gedächtnis-Kapellen ägyptischen Typs. Die Tempel befanden sich, umgeben von Nekropolen und Priesterhäusern, in durch Umfassungsmauern definierten Bezirken; außerhalb dieser Umfassungen schlossen mehrere Friedhöfe an. Diese Friedhöfe wurden – mit Ausnahme des Ostfriedhofs – bereist von I. Forstner-Müller als Monografie »Tell el˗Dab‘a XVI: Die Gräber des Areals A/II von Tell el˗Dab‘a, ÖAIKairo 28 (Wien 2008)« vorgelegt.

Der Ostfriedhof des Areals A/II wurde ebenfalls von I. Forstner-Müller untersucht. Dieser Friedhof befindet sich im Osten des Sakralkomplexes, bestehend aus dem kanaanäischen Tempel III als Kernstück und weiteren Totentempeln sowie zugeordneten Friedhöfen im Norden und Westen, und schließt unmittelbar an den Tempel V, einen ägyptischen Tempel, an. Das Grabareal wurde in der späteren 13. Dynastie (MBIIA-Periode) errichtet und blieb bis zum Ende der 15. Dynastie in Nutzung. Wie der gesamte Sakralkomplex weisen auch der Friedhof und die Gräber im Norden Züge einer ägyptisch-kanaanäischen Mischkultur auf, erkennbar sowohl in der Architektur der Grabbauten als auch der materiellen Kultur, den Grabbeigaben. Der Fokus des Bandes wird neben der Vorlage des Materials, der Stratigrafie und des Baubefunds, auf Analyse der zahlreichen, sich von den als traditionell˗ägyptisch angesehenen kulturellen Markern abhebenden Eigenheiten dieses Friedhofs und seiner Bestatteten liegen.