Akten des Symposions »Der Kult der Meter/Kybele in Westanatolien«

Zu dem eintägigen Symposion »Der Kult der Meter/Kybele in Westanatolien« im Theatersaal der ÖAW im Herbst 2017 fanden sich zehn Forscherinnen und Forscher aus Deutschland, Frankreich, Griechenland, den Niederlanden, Österreich, Schweden, der Türkei und den USA ein, um religionsgeschichtliche und archäologische Fragen des Kults jener Göttin zu diskutieren, die im antiken Anatolien eine überaus wichtige Rolle spielte.

Der Weg von Nordmesopotamien und Phrygien nach Westanatolien und in die Ägäis


In seinem ersten Teil ging das Symposion den Ursprüngen des Kults nach, die zumindest bis in die Bronzezeit zurückreichen und auch orientalische Elemente beinhalten (Fahri Işık, Burdur). Dabei wurden die Wandlungen untersucht, die die religiösen Vorstellungen von dieser Göttin und ihre Riten im Laufe der Jahrhunderte und im Zuge der Übernahme durch neue Kulturen durchliefen. Der Weg führte aus Karkemiş (Michèle Meijer, Amsterdam) und Phrygien (Susanne Berndt-Ersöz, Stockholm) nach Lydien (Frances Gallart Marques, Ithaca) und Ionien (Aygün Ekin Meriç, Izmir).

Kultbilder der Meter


Anders als weithin angenommen, ist die Frage, wie die Kultbilder der Meter in griechisch-römischer Zeit aussahen, nicht einfach zu beantworten, wie Tanja Scheer (Göttingen) zeigte. Dies betrifft insbesondere die Frühzeit des Kults, da archaische Schriftquellen fehlen. Bei späteren Autoren finden sich mitunter widersprüchliche oder unglaubwürdige Angaben, so im Fall des Kultbilds der Meter von Pessinus.

Kybele und Artemis: die mehrdeutige Ikonografie in archaischer Zeit


Vier Vorträge konzentrierten sich auf die Ikonografie der Meter/Kybele in archaischer Zeit und auf ihr Verhältnis zu verwandten Gottheiten, insbesondere zu Artemis. Evgenia Vikela (Kerkyra) diskutierte die Kybele-Heiligtümer des 6. und 5. Jhs. v. Chr. auf dem griechischen Festland und den ägäischen Inseln. Antoine Hermary (Aix-en-Provence/Marseille) plädierte dafür, den Löwen in archaischer und frühklassischer Zeit ikonografisch nicht auf Kybele allein festzulegen, sondern ihn als Ausdruck der Kraft und Stärke verschiedener weiblicher Gottheiten zu sehen, insbesondere auch der Artemis. Dieser Ansatz wurde von Laura Rohaut (Aix-en-Provence/Marseille) aufgenommen und auf breiter Materialbasis weiter verfolgt. Michael Kerschner (Wien) stellte eine neue Naiskos-Stele aus dem Heiligtum der Artemis Kithone in Milet vor. Die Deponierung der Stele in dem Temenos, das inschriftlich mit Artemis verbunden werden kann, spricht für die Interpretation der dargestellten Göttin als Artemis.

Von Kubaba und Matar Kubileya zu Kybele und Meter


In seinem Abendvortrag analysierte Jan Bremmer (Groningen) Ursprünge und Verbreitungswege der Göttin. Er zeigte, dass es sich anfänglich nicht um eine homogene Gestalt handelte. Vielmehr waren es zwei unterschiedliche Muttergottheiten – die nordmesopotamische Kubaba und die phrygische Matar Kubileya –, die erst im Ägäisraum zu einer Göttin – Kybele/Meter – verschmolzen.