Funde aus den Grabungen im ›öffentlichen Zentrum‹ von Lousoi

Die beweglichen Funde aus dem Bereich der beiden Kultbauten und der hellenistischen Halle im ›öffentlichen Zentrum‹ von Lousoi sind Inhalt der Publikation. Anhand der Funde aus Ton, Metall, Glas und Bein werden Aussagen zu den Kultgebräuchen in Lousoi von der geometrischen Zeit bis in die frühe Kaiserzeit erarbeitet, ferner Fragen der lokalen Keramikproduktion erörtert.

Neben typologischer und chronologischer Klassifikation der Funde, die zwischen dem späteren 9./früheren 8. Jh. v. Chr. und dem 2. Jh. n. Chr. anzusetzen sind, werden Aussagen für die Geschichte von Lousoi und die Baugeschichte der drei Bauten sowie kultische Kontexte mit möglichen Hinweisen auf die Kultinhaber untersucht. Darüber hinaus werden anhand von Werkstattabfall und Brennofenstützen aus dem Bereich der Halle Aspekte der Lokalproduktion diskutiert. 

Die geometrische Phase und die geometrisch-früharchaische Phase


Die früheste Nutzungsphase wurde an der Geländekante unter der Nordhalle des Ringhallentempels und dem Nordflügel des Kultbaus auf Terrasse I festgestellt. Zwei Kochtöpfe, ein Becher und ein Lekythos-Kännchen, die ältesten bisher bekannten Gefäße aus Lousoi, dokumentieren Zusammenkünfte und kommunale Mahlzeiten in diesem Areal, wohl im Rahmen kultischer Feiern, bereits in früh- oder mittelgeometrischer Zeit. Auch eine Nutzungsschicht spätgeometrisch-früharchaischer Zeit unter der Tempelcella ist noch älter als die beiden dort festgestellten Apsidenbauten.

Funde aus dem Bereich des Kultbaus auf Terrasse I


Ein Depot mit klassischen Terrakotten, Miniaturgefäßen und Beinastragalen datiert die Errichtung oder Aufgabe des Naiskos (›Oikosbau‹) unter dem hellenistischen Bau. Ein späthellenistisches Votivdepot im Hauptraum dieses ›Orthostatenbaus‹, das Lampen, Balsamare sowie eine neu deponierte geometrische Pferdestatuette umfasst, datiert möglicherweise die seitlichen Anbauten. Vermutlich gleichzeitig mit dieser Deponierung fand ein Kultmahl statt. Fragmente von Thymiaterien, kaiserzeitlichen Glasbechern und Lampen aus dem Bereich des Altars belegen wie die mitgefundenen Münzen Kulthandlungen bis in trajanische Zeit.

Funde aus dem Bereich des Ringhallentempels


Die Errichtung der Säulenfundamente ist durch Keramikfragmente in die zweite Hälfte des 3. Jhs. datiert. Den architektonisch fassbaren Rückbau des Tempels in späthellenistischer Zeit dokumentieren Keramikfragmente aus dem Pronaos. Um die Kultbildbasis deponierte klassische bis kaiserzeitliche Weihgeschenke, darunter auch klassische Waffen, belegen die Kulttradition des Ortes. Fragmente großformatiger lakonischer Dachziegel stammen von einem Vorgängerbau. Der westliche und der östliche Cellaraum dienten zuletzt für späthellenistisch-frühkaiserzeitliche rituelle Mahlzeiten.

Funde aus dem Bereich der Halle


Die bisher nur in einzelnen Schnitten untersuchten Aufschüttungen unter der Halle enthielten archaische Gefäßfragmente, Ziegelfragmente und Werkstattabfall, darunter Brennofenstützen. Auch eine kleine Aufschüttung mit geometrischen Gefäßfragmenten wurde festgestellt. Die Bauzeit der Halle ist bisher nur an einem hellenistischen Becher und wenigen Gefäßfragmenten zu fassen. Nachdem die Halle als Repräsentationsbau aufgegeben worden war, etablierte sich direkt davor eine Keramikwerkstatt. Ihrer Produktion lassen sich vorerst drei fragmentierte, zu stark gebrannte frühkaiserzeitliche Gefäße zuweisen.