Korinthische Importkeramik aus dem Artemision von Ephesos

Keramische Gefäße aus Korinth wurden im 7. und im frühen 6. Jh. v. Chr. in das Artemision von Ephesos geweiht. Sie vermitteln wichtige Erkenntnisse zu Chronologie, Kultgeschehen und Stellung von Stadt und Heiligtum im transägäischen Handelsnetz.

Ephesos, Randfragment einer protokorinthischen Kotyle (Foto: ÖAW-ÖAI/N. Gail)

Korinthische Keramik als chronologischer Anhaltspunkt


Unter den Keramikfunden aus den Grabungen von 1965 bis 2014 im Heiligtum der Artemis von Ephesos sind die Importe aus Korinth von besonderer Bedeutung. Zum einen geben sie Aufschluss über die Einbindung von Stadt und Heiligtum in den transägäischen Handelsverkehr, zum anderen sind korinthische Gefäße ein wichtiger Indikator für die Chronologie des archaischen Heiligtums. Die Keramikproduktion von Korinth ist intensiv erforscht und bietet daher wichtige chronologische Querverbindungen für die stratigrafische Datierung der Architektur und der übrigen Funde aus den jeweiligen Schichten.

Schwerpunkt um 600 v. Chr.


Der chronologische Rahmen der korinthischen Keramikfunde reicht vom zweiten Viertel des 7. Jhs. bis in das frühe 6. Jh. v. Chr. Innerhalb dieses Zeitraums aber sind die Importe sehr ungleichgewichtig verteilt. Subgeometrische und protokorinthische Stücke sind, verglichen mit anderen Heiligtümern, aber auch Siedlungen in Ionien, relativ selten. Der Schwerpunkt liegt deutlich in der frühkorinthischen Epoche (etwa 620/615–590 v. Chr.), danach nimmt die Fundfrequenz wieder ab.

Votive aus der Zeit vor Kroisos


Eine Konzentration korinthischer Keramik fand sich unter dem sog. gelben Boden: Dieser diente als Platzanlage, die den ersten archaischen Marmortempel, den Dipteros 1, mit dem westlich davor liegenden monumentalen Altar verband. Als der gewaltigen Tempel, an dessen Bau sich der lydische König Kroisos als Stifter beteiligte, und sein Altar errichtet wurden, deponierte man zahlreiche ältere Votive in der Aufschüttung unter dem Boden des Tempelvorplatzes.

Edle Düfte für die Göttin


Viele der korinthischen Importe waren kleine, bauchige Salbgefäße – Aryballoi und Alabastra –, die mit Duftölen und Parfums befüllt waren. Wie moderne Flakons machten sie durch ihre exquisite Gestalt auf den Wert ihres Inhalts aufmerksam. Die meisten der frühkorinthischen Salbgefäße waren figürlich bemalt. Dennoch wurden sie nicht um ihrer selbst willen der Göttin dargebracht, sondern waren die edle Verpackung für einen edlen Duft. An anderen Gefäßformen fanden sich vor allem Kotylen, Pyxiden und Kannen.

Ephesos, frühkorinthisches Alabastron mit antithetischen Löwen (Foto: ÖAW-ÖAI/N. Gail)
Ephesos, protokorinthischer Aryballos mit Schuppendekor (Foto: ÖAW-ÖAI/N. Gail)
Ephesos, protokorinthischer Aryballos mit Schuppendekor (Foto: ÖAW-ÖAI/N. Gail)

Neubearbeitung im Kontext


Eine erste Publikation der korinthischen Importkeramik aus dem Artemision (Forschungen in Ephesos 12, 1 [Wien 1989]) war unter schwierigen Umständen entstanden, sodass eine Neubearbeitung der Funde notwendig schien. Dafür konnte nicht nur die Qualität der Dokumentation wesentlich verbessert werden, sondern die systematische Durchsicht der über 9.000 Grabungseinheiten führte auch zu einer deutlichen Steigerung der Anzahl: insgesamt umfasst der Katalog der diagnostischen Funde korinthischer Keramik nun 972 Stück (Stand Sommer 2016), während die Publikation nur 281 Katalognummern berücksichtigte. Ein wesentlicher Fortschritt liegt zudem in der kontextuellen Aufarbeitung der Funde: Durch die Analyse der gemeinsam deponierten Artefakte können nicht nur wichtige Aussagen zur Zeitstellung gewonnen werden, sondern auch zu dem Kultgeschehen und der Votivpraxis im archaischen Artemision an sich.