Hanghaus 2 in Ephesos. Die Wohneinheiten 3 und 5. Baubefund, Ausstattung, Funde

Nach bereits zehn in der Reihe »Forschungen in Ephesos« erschienenen Monografien zu dem Hanghaus 2 wird aktuell an der Fertigstellung des Bandes über die Wohneinheiten 3 und 5 gearbeitet. Stadtgeschichtlich interessant sind Bebauungsspuren, die auf eine handwerkliche Nutzung des Areals ab dem frühen Hellenismus deuten. Die römischen Häuser zeichnen sich nicht nur durch exquisite Mosaikböden, sondern auch durch qualitätvolles Mobiliar aus. Nur wenige Reste weisen auf eine Nutzung nach der Zerstörung im 3. Jh. n. Chr. hin. Das Areal scheint weitgehend verlassen worden zu sein, bis man spätestens im 5. Jh. eine Mühlenreihe über der kaiserzeitlichen Bebauung errichtete.

Gebaut und umgebaut


Ursprünglich die gesamte mittlere Terrassenhälfte einnehmend, wurde das in der frühen römischen Kaiserzeit errichtete Haus zu einem späteren Zeitpunkt in zwei Hälften getrennt und mit separaten Eingängen versehen. Dadurch entstanden interessante Grundrisslösungen, wie beispielsweise der lange Korridor, der von der Stiegengasse 3 in den Hof der Wohneinheit 5 führte. Von der ursprünglich reichen Ausstattung von Grund- und Obergeschoss zeugen nicht nur zahlreiche in situ befindliche Elemente, sondern auch eine Vielzahl an Objekten, deren Auswertung neue Erkenntnisse über die Lebenswelt von Ephesos in der römischen Kaiserzeit erlaubt.

Wohneinheit 3


Mit 260 m² ist die Wohneinheit 3 zwar die kleinste des Hanghauses 2, sie zeichnet sich allerdings durch exquisiten Mosaikschmuck sowie aufwendig ausgestattete Räume aus. Der Zugang befand sich im Westen, ist allerdings durch bauliche Eingriffe byzantinischer Zeit völlig zerstört. Besondere Beachtung verdient das heute restaurierte ›Musenzimmer‹ mit seinem namensgebenden Wanddekor, der die neun Musen, die Lyrikerin Sappho und den Gott Apollo Musagetes zeigt. Einen gewissen Widerspruch stellt der simple Ziegelboden dar, marmorne Basen lassen allerdings auf eine Gliederung des Raumes durch ein Säulenpaar oder die Aufstellung repräsentativer Gefäße schließen. 

Wohneinheit 5


Die Räume der ebenfalls kleinen Wohneinheit 5 gruppieren sich um einen sorgfältig ausgestatteten Hof, in dem vor allem auf ein reizvolles Brunnenensemble hinzuweisen ist. Im Norden schließen ein repräsentativer Speiseraum sowie ein beheizter Raum an, während die Zimmer westlich des Hofs als kleine Cubicula anzusprechen sind. Ein baulich interessantes Detail sind die Spuren einer Holztreppe in das Obergeschoss, die sich an der Wandmalerei des sog. Erotenzimmers deutlich abzeichnen. Am namensgebenden Wanddekor erscheinen fliegende Eroten, die – immer auf den eintretenden Gast bezogen – musizieren, Gaben aufwarten und den Raum mit Fackeln erhellen. 

Herausragender Mosaikschmuck


Auffallend ist der Mosaikreichtum der Wohneinheit 3, wo gleich vier Zimmer mit Figurenbildern ausgestattet waren. Erhalten haben sich zwei in ornamental verzierte Tessellate eingelegte Embleme, die Brustbilder des Gottes Dionysos und der Medusa zeigen. Durch Farbe und Material der Mosaiksteinchen kontrastiert, heben sich Thyrsosstab und Diadem von den Körperpartien des Gottes gelungen ab. Ein Mosaik aus der Mitte des 2. Jhs. n. Chr. ist als Ausschnitt einer Amphitheaterszene zu verstehen und zeigt einen Löwen mit noch blutendem Stierkopf in seinen Pranken.