EINE FRÜHKAISERZEITLICHE GRUBENVERFÜLLUNG IM HANGHAUS 2 IN EPHESOS

Einen Glücksfall für die Erforschung römischer Alltagskultur stellte die Freilegung einer mit Konsumabfall verfüllten Grube in der Wohneinheit 5 des Hanghauses 2 in Ephesos dar.

Die auf den ersten Blick unspektakuläre Grube und ihre Verfüllung stehen im Mittelpunkt der interdisziplinär archäologischen Studie. Die Fundmengen sind gewaltig: 3 283 Keramikscherben, über 10 600 Tierknochen, 756,5 Liter Sediment voller verkohlter Pflanzenreste und Holzkohlen, dazu eine Münze, Terrakotten, Glas, Objekte aus Bein, Eisen und Kupfer wurden in der Verfüllung registriert. Aus der stratigrafischen Abfolge ist eindeutig zu schließen, dass bereits das Anlegen der Grube, aber auch deren Verfüllung intentionell passierte und daraus ein Deponierungsvorgang zu indizieren ist. Der Auswertung des keramischen Materials folgend, geschah dies in den 60er Jahren des 1. Jahrhunderts n. Chr. Besonders hervorzuheben sind sehr außergewöhnliche Objekte, die einen Hinweis auf die hinter der Niederlegung zu vermutenden sozialen Praktiken liefern.

Im ersten Teil der Publikation werden alle Material- und Objektgattungen vorgestellt und diskutiert, während der zweite Teil die kulturhistorischen Einordnung des Ensembles in seiner Gesamtheit umfasst. Die große Menge an Geschirr und Speiseresten legt nahe, in der Grubenverfüllung die Reste eines Festmahls zu vermuten. Natürlich kann über den Grund einer solchen öffentlichen Ausspeisung, einer cena publica, nur spekuliert werden. In jedem Fall scheint eine Verbindung mit der Besitzerfamilie von Wohneinheit 3/5 naheliegend, da die Reste im Anschluss des Mahls in einer eigens dafür angelegten Grube im Haus deponiert wurden. Familiäre Anlässe gab es zahlreiche, darunter beispielsweise Hochzeiten und Begräbnisfeierlichkeiten, aber auch das Anlegen der toga virilis männlicher Nachkommen. Möglicherweise deuten die Togati und die Miniaturfibel auf genau diese Form einer Volljährigkeitsfeier in römischer Tradition hin.