Der Erotenfries aus dem Theater in Ephesos

Der Fries schmückte die Bühnenrückwand des Theaters in Ephesos. Er zeigt Eroten bei der Jagd nach wilden Tieren und beim Feiern in einer sakralen Landschaft sowie einzelne gelagerte Satyrn. Die Publikation erfolgt in einer Kooperation von ÖAI (M. Aurenhammer) und Kunsthistorischem Museum in Wien (G.APlattner). 

Die zahlreichen Fragmente des Frieses wurden in den ersten Jahren der österreichischen Grabungen in Ephesos vor der Bühne des Theaters geborgen und mit Erlass des Sultans Abdul Hamid II. nach Wien gebracht, wo sich der Großteil nun im Depot des Kunsthistorischen Museums (KHM) befindet. Vier zusammengesetzte Platten sind im Ephesos Museum des KHM ausgestellt. Einige Fragmente wurden bereits von J. T. Wood Mitte des 19. Jhs. entdeckt, sie befinden sich im British Museum.

Der Fries schmückte den Sockel des mittleren Geschosses der Bühnenrückwand des Theaters, wo die dünnen Friesplatten der Konstruktion der Theaterfassade vorgeblendet waren. An den Figuren und am Reliefgrund haben sich Spuren von Grundierung und Bemalung erhalten.

Der Fries zeigt Eroten bei der Jagd nach wilden Tieren in der Natur, beim Abtransport der Beute und beim Feiern mit Trinkgefäßen sowie Platten mit einzelnen gelagerten Satyrn, welche an den vorspringenden Elementen der Theaterfassade angebracht waren. Der Fries greift auf klassische, aber auch hellenistische Figurentypen und Motive zurück und verbindet sie mit Elementen einer sakralen Landschaft wie Tempel, Altar und Götterstatuette. Die Darstellungen sind künstlerisch von höchster Qualität und heben sich von den zahlreichen anderen Erotenjagden an kleinasiatischen Theatern ab. Der ephesische Fries steht auf einer Stufe mit den Erotendarstellungen am Venus Genetrix-Tempel des Caesarforums in Rom, der in trajanischer Zeit erneuert wurde.

Da die Platten des ephesischen Frieses der Bühnenfassade vorgeblendet waren, kann er zeitgleich mit der spätflavischen Fassade, aber auch später angebracht worden sein. Die Arbeiten am Süd- und Nordflügel des Theaters wurden in spätflavischer/trajanischer Zeit abgeschlossen.

Tierhetzen (venationes) sind für Ephesos zum ersten Mal in trajanischer Zeit inschriftlich am Südflügel des Theaters dokumentiert: T. Flavius Montanus, der Stifter der Baumaßnahmen an diesem Flügel und »Vollender« des Theaters hatte venationes und Gladiatorenkämpfe zu diesem Anlass veranstaltet. Möglicherweise ist auch die Anbringung des Erotenjagdfrieses mit dem Abschluss der Bauarbeiten am Theater in Verbindung zu bringen.