Keramische Evidenzen zur Baugeschichte des unteren Embolos in Ephesos

Die kontextuelle Auswertung keramischer Fundkomplexe aus Grabungen, die im Bereich des unteren Embolos (Kuretenstraße) durchgeführt wurden, erbrachte Erkenntnisse zu rund tausend Jahren seiner Nutzung (3. Jh. v. Chr. – 7. Jh. n. Chr.). Sie betreffen die Gestaltung und die Trasse der Straße, die Baugeschichte ihrer Randbebauung und ihre wechselvolle Funktion.

Topografie


Der Embolos liegt im Sattel zwischen den beiden ephesischen Stadtbergen, dem Panayırdağ im Norden und dem Bülbüldağ im Süden. Die moderne Bezeichnung »Kuretenstraße« leitet sich von sekundär in der unteren Nordhalle verbauten Säulenstümpfen aus dem Prytaneion ab, die mit Listen des Kultvereins der Kureten beschrieben sind. Die antike Bezeichnung für die Kuretenstraße lautete vermutlich »Embolos« – wörtlich »Keil, Sporn», was einerseits aus schriftlichen Quellen, andererseits aus Inschriften im Gebiet der Kuretenstraße und der Tetragonos Agora hervorgeht.

Prozessionsstraße


Der untere Embolos bestand ab dem 3. Jh. v. Chr. aus einer Schottertrasse, die bis in die erste Hälfte des 1. Jhs. v. Chr. von Bordsteinmauern begrenzt war. Auch die Datierung und Baugeschichte der Einzelmonumente, Brunnenbauten und Tabernen an seiner Südseite konnte präzisiert werden. Besonders hervorzuheben ist die nun chronologisch sichere Einordnung von ›Heroon‹ und ›Oktogon‹, deren Datierungen bislang kontrovers beurteilt worden waren. 

Hauptstraße


Hingegen konnten kaum neue Erkenntnisse zur Entwicklung des Embolos in der Kaiserzeit und zu seiner erstmaligen Pflasterung mit Marmorplatten erzielt werden, ebenso wenig ließen sich Befunde und Fundkomplexe gesichert mit etwaigen Zerstörungen – beispielsweise durch die Erdbeben des 3. und 4. Jhs. – in Zusammenhang bringen.

Prachtboulevard


Wesentliche Aufschlüsse ergaben sich jedoch für die Gestaltung des Embolos in der spätantik-frühbyzantinischen Zeit. Ab der Mitte des 5. bis in die Mitte des 6. Jhs. lässt sich ein regelrechter Bauboom konstatieren, der sich in das allgemeine Phänomen der demonstrativen Zurschaustellung einer erneuten Prosperität und Pracht der Stadt Ephesos in dieser Zeit einfügt. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die Umwandlung von bestehenden, teilweise zerstörten Bauten am unteren Embolos in monumentale Brunnenanlagen sowie die Errichtung der sog. Kuretenhalle im ausgehenden 5./zu Anfang des 6. Jhs. n. Chr. 

Handwerksquartier


Die in der Spätantike großteils adaptierten älteren Monumente am unteren Embolos werden, anhand entsprechender Fundkomplexe zu schließen, bis in die Mitte des 7. Jhs. n. Chr. aufrecht erhalten. Die letzte Nutzung der an den Embolos grenzenden Bereiche besteht im Betrieb von Tabernen und Handwerksbetrieben.