Der DEĞİRMENDERE-Aquädukt von Ephesos

Ephesos, Verlauf des Değirmendere-Aquädukts mit den drei Zonen (Karte: ÖAW-ÖAI/C. Kurtze, G. Wiplinger)
Ephesos, Verlauf des Değirmendere-Aquädukts mit den drei Zonen (Karte: ÖAW-ÖAI/C. Kurtze, G. Wiplinger)

Der Değirmendere-Aquädukt ist die jüngste und mit 37,5 km die längste Fernwasserleitung von Ephesos. Sie leitete das Wasser über 24 Brücken und durch 4 Tunnel in die Metropole der römischen Provinz Asia. Die Erforschungen dieses Bauwerks in einem bereits abgeschlossenen FWF-Projekt bringen zwar noch immer neue Ergebnisse, sollen aber in Kürze veröffentlicht werden.

Erst im Zuge der Arbeiten stellte sich heraus, dass zwei voneinander unabhängige Aquädukte existierten, wobei der erste im Zuge eines Erdbebens im Jahr 158 n. Chr. an der İçmetepe-Störungslinie mit den gesamten neogenen Tonschichten im Süden um 3,0 m abgesackt war. Aufgrund der Sinteranalysen konnte festgestellt werden, dass diese Leitung 32 bis 36 Jahre in Betrieb und somit in hadrianischer Zeit errichtet worden war. In antoninischer Zeit wurden die Erdbebenschäden behoben. Inzwischen war der Wasserbedarf in der Stadt gestiegen, und es mussten auch höher gelegene Gebiete mit Wasser versorgt werden.

Ephesos, Höhenprofil des Değirmendere-Aquädukts (Grafik: ÖAW-ÖAI/I. Benda-Weber, C. Kurtze, G. Wiplinger)
Ephesos, Değirmendere-Aquädukt in Abschnitt XVI: unten der sorgfältige Unterbau der hadrianischen Leitung, darüber die Reste des antoninischen Aquädukts (Foto: ÖAW-ÖAI/G. Wiplinger)

Hadrianischer Aquädukt


Die ursprüngliche Leitung wurde mit einem Querschnitt von 70 × 50 cm errichtet, in dem 20.000 m³ Wasser transportiert werden konnten. Die Abdeckung des Gerinnes erfolgte mit Steinplatten. Dieser Querschnitt wurde aber nur in Zone 2 gebaut, da dort die Leitung hoch über dem Meer sichtbar am Hang lang. In den Zonen 1 und 3 verlief die Leitung unterirdisch und wurde in eine offene Baugrube gesetzt, die man später wieder zuschüttete, sodass nur die Abdeckungen der Einstiegschächte zu sehen waren. Da eine Reparatur in diesen Zonen mit sehr viel Aufwand verbunden gewesen wäre, wurde der Aquädukt hier als begehbarer Querschnitt mit Gewölbe konstruiert, sodass zumindest in Zone 1 kein Neubau erforderlich war.

Antoninischer Aquädukt


An der İçmetepe-Störungslinie am Ende von Zone 1, an der die neogenen Tonschichten auf den Marmorrücken treffen, lag nach dem Erdbeben die Kanalsohle um 3,0 m zu tief. Daher wurde in Zone 2 ein neuer Kanal auf tieferem Niveau angelegt, mit geringerem Gefälle und einem Querschnitt von 85 × 235 cm. Dieser wurde vor der Überquerung des großen Bahçecikboğaz-Tals nach nur 3,5 km wieder auf das Niveau des älteren Aquädukts gebracht, da das tief eingeschnittene Tal mit einer aufwendigen Siphonleitung aus Tonrohren auf einer venter-Brücke überquert wurde. Dadurch war aber das Gefälle in diesem Bereich mit 0,01 % dermaßen gering, dass es zu permanenten Problemen mit dem Wasserfluss kam. Dies erklärt, warum in diesem Bereich neben vielen anderen Reparaturen insgesamt sechs Bypässe entdeckt wurden.

Vermutlich traf man die Entscheidung der Erhöhung des Wasserdargebots durch Einspeisung der Keltepe-Quellen und die Versorgung höher gelegener Stadtgebiete erst während des Neubaus: Ab der Querung des Bahçecikboğaz-Tals wurde der neue Kanal mit wesentlich niedrigerem Gefälle teilweise auf den älteren Kanal gesetzt, sodass er schließlich um 8 m höher in der Stadt ankam. Die Durchflussmenge des antoninischen Aquädukts war mit 50.000 m³ etwa 2,5 mal höher als früher.

Weil der Wasserfluss in die Stadt unterbrochen war, musste der antoninische Aquädukt unter großem Zeitdruck errichtet werden. Insofern ist das Mauerwerk wesentlich weniger sorgfältig ausgeführt und unterscheidet sich wesentlich von dem des älteren Baus. Um die Bauzeit zu verkürzen, wurden die Bruchsteine unmittelbar ober- und seltener auch unterhalb der Trasse aus dem gewachsenen Fels gebrochen. In Zone 2 wurden alle kleinen Brücken doppelt gebaut und direkt aneinander gesetzt.

Sinteranalysen ergaben eine Betriebszeit der Leitung zwischen 190 und 212 Jahren. Demnach wurde der Aquädukt durch die Erdbebenserie in der zweiten Hälfte des 4. Jhs. zerstört und das Wasser nicht mehr in die Stadt geführt. Nachnutzungen im 7. Jh. für Pygela, in osmanischer Zeit für Scala Nova und bis vor 20 Jahren für Kuşadası sind nachweisbar.