Ptolemäische bis spätantike Keramik aus Syene und Elephantine

Die kontextuelle Aufarbeitung des keramischen Materials aus Wohnquartieren in Syene und Elephantine schafft die Voraussetzung für die Analyse von Innovation und Tradition einer der wichtigsten, mehrere Jahrhunderte umspannenden Keramikproduktionsstätte Ägyptens. Basierend auf einer typochronologischen Gliederung der Keramik werden Hausinventare rekonstruiert und Funktionsanalysen vorgenommen.

Die Insel Elephantine und die ihr gegenüber am östlichen Nilufer liegende Stadt Syene, das moderne Assuan, verbindet eine lange, wenn auch wechselvolle Geschichte. Die Prosperität beider Siedlungen erklärt sich aus ihrer geostrategischen Lage und der damit verbundenen Kontrollmöglichkeit über die erste Kataraktregion Ägyptens. Beide verfügten über funktionstüchtige Nilhäfen und waren zudem militärische Posten, die die Grenze nach Süden hin sicherten. Von überregionaler handelspolitischer Bedeutung waren der lokale Abbau von Rosengranit und die Produktion von Feinkeramik, die in Ägypten ab der römischen Kaiserzeit weite Verbreitung fand und in der Spätantike ihren Höhepunkt erreichte.

Archäologischer Befund


Entscheidende neue Erkenntnisse zu den Wohnquartieren der Stadt Syene in ptolemäischer und römischer Zeit erbrachten Grabungen des Schweizerischen Instituts für Ägyptische Bauforschung und Altertumskunde unter der Leitung von C. von Pilgrim in Kooperation mit dem Supreme Council of Antiquities, Aswan, sowie dem ÖAI in dem etwa 1.000 m² großen sog. Areal 13c und dem Areal 2. Der Befund lässt deutlich erkennen, dass es sich insbesondere während der spätptolemäischen Periode um qualitätvolle Wohngebäude mit reichem Hausinventar der städtischen Oberschicht gehandelt hatte, die in der frühen Kaiserzeit zu einer Ladenreihe umfunktioniert wurden. Die auf Elephantine vom DAI in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Institut wissenschaftlich untersuchte spätantike Wohnbebauung des ehemaligen Tempelareals wurde 2003 bautypologisch vorgelegt. Aus den Wohngebäuden südlich und westlich des Chnumtempels, welche im 5. Jh. n. Chr. errichtet und zumindest bis in das 7. Jh., vereinzelt bis in das 9. Jh. n. Chr. genutzt wurden, stammt eine große Fülle an sehr gut erhaltener Keramik.

Keramisches Fundmaterial


Die große Menge an keramischem Fundmaterial aus beiden Siedlungsarealen und ihr außergewöhnlich guter Erhaltungszustand ermöglichen eine kontextuelle Auswertung ptolemäischer bis spätantiker Keramik. Das bislang gesichtete Fundmaterial aus Areal 13 zeigt nicht nur eine Fülle an mediterranen Importen, sondern weist neben ägyptischen Traditionen auch einen deutlich hellenistisch-römischen Charakter lokal produzierter keramischen Waren auf. Der ab mittelptolemäischer Zeit verwendete und regional abgebaute Aswan Pink Clay wird ab der römischen Kaiserzeit vermehrt in der Keramikproduktion eingesetzt. Diese erreicht in der beginnenden Spätantike ihren Höhepunkt. Das nun in Massen hergestellte, mediterrane Formen imitierende Tafelgeschirr wird bis über die Grenzen Ägyptens hinaus exportiert und kann noch in Kontexten des 8. Jhs. n. Chr. nachgewiesen werden.

Die In-situ-Befunde in den Häusern erlauben nun erstmals für Syene/Elephantine eine typochronologische Gliederung unterschiedlicher Keramikgattungen und eine darauf basierende Inventarrekonstruktion sowie Funktionsanalyse der Keramik. Eine diachrone Betrachtung des keramischen Fundmaterials aus den Häusern liefert wichtige Hinweise auf veränderte Kochgewohnheiten, aber auch auf die Rezeption neuer Trink- und Speisesitten.