Ein hellenistischer Münzhortfund aus dem Gästehaus in Aigeira

Ein stratigrafisch geborgener Münzhortfund mit 579 Silbermünzen, der 219 v. Chr. vergraben wurde, ist in der Vernetzung archäologischer, numismatischer und historiografischer Kriterien einzuschätzen. Daraus ergeben sich neue Informationen zur Nutzung des öffentlichen Gästehauses als Fundort sowie zur numismatisch-historischen Beurteilung von Aigeira und Achaia. 

Aigeira, Münzhortfund unmittelbar nach der Bergung (Foto: ÖAW-ÖAI/G. Ladstätter)

Fundumstände


Der vollständig erhaltene tönerne Kochtopf mit dem Münzschatz fand sich im Lehmboden eines kleinen Raumes des Südflügels vergraben, unmittelbar an der nördlichen Mauerecke des Zugangs im Westen. Der Raum resultiert aus einer Bauänderung des 3. Jhs. v. Chr., wonach ein ursprünglich größerer Raum zur Vorratshaltung und Küchenvorbereitung in eine Dreiraumgruppe mit wohl ähnlicher Nutzung umgebaut wurde.

Numismatische Einschätzung


Aigeira, Münzhortfund. Auswahl von Histiaia-Prägungen (Foto: Ephorie für Altertümer, Patras)

Der vollständig geborgene Hortfund mit 579 Silbermünzen des 4. und 3. Jhs. v. Chr. zeigt ein Spektrum, das sich deutlich vom Umlauf derjenigen Münzen unterschiedet, die im Bereich des Baukomplexes geborgen wurden. Auffallend ist neben den vielen Münzen aus dem benachbarten Sikyon (238) ein höherer Anteil an festländisch-griechischen Prägungen (312), der seinerseits von Münzen aus Histiaia, Euböa (282) dominiert wird. Der Zeitpunkt des Vergrabens des Hortfundes ist mit etwa 220 v. Chr. festzusetzen. Diese Zeitstellung korrespondiert mit dem sonstigen Fundspektrum des Raumes.

Historische Implikationen


Aigeira, Gästehaus. Münzhortfund in situ (Foto: ÖAW-ÖAI/G. Ladstätter)

Das Vergraben des Hortfundes zur leichteren Wiederauffindung an einer markanten Mauerecke legt eine krisenhafte Begleitsituation nahe. Diese erhellt sich aus der detaillierten Schilderung des Überfalls der Aitoler auf Aigeira im Jahre 219 v. Chr. bei Polybios, in der auch auf Kampfhandlungen im Bereich der Akropolis, wo sich das Gästehaus befindet, verwiesen wird. 

Lokale Implikationen


Geht man davon aus, dass der Vergrabungsort mit dem generellen Verwahrungsort der Münzen identisch ist, ist ein direkter Bezug zur Funktion des Gästehauses herzustellen. Das zum regionalen Münzumlauf des 4. und 3. Jhs. v. Chr. deutlich unterschiedliche Münzspektrum legt anstelle einer ›privaten‹ wohl eher eine ›professionelle‹ Hortung nahe. Diese Tatsache korrespondiert mit der aus architektonischen Charakteristika erschlossenen Funktion des Gebäudes als repräsentatives öffentliches Gästehaus.