Stratigrafie und Funde der Frühbronzezeit III bis Spätbronzezeit I in Ägina-Kolonna

Die Siedlung von Kolonna auf der Insel Ägina im Saronischen Golf gehört im 3. und 2. Jts. v. Chr. zu den wichtigsten Fundplätzen im zentralen Ägäisraum. Ziel des Projekts ist die abschließende Veröffentlichung von Stratigrafie, Funden und Befunden aus der ›prähistorischen Innenstadt‹ von Kolonna.

Ägina-Kolonna, Modell der prähistorischen Befestigung von Kolonna VI (Foto: ÖAW-ÖAI/W. Gauß
Ägina-Kolonna, Modell der prähistorischen Befestigung von Kolonna VI (Foto: ÖAW-ÖAI/W. Gauß

Die Bedeutung der Siedlung von Kolonna auf der Insel Ägina ist für den zentralen Ägäisraum im 3. und 2. Jts. v.Chr. seit Langem bekannt; die Siedlung von Kolonna ist dabei der wichtigste Fundort der gesamten Insel. Bei den als Kooperationsprojekt zwischen der Universität Salzburg und dem ÖAI durchgeführten Ausgrabungen wurde eine fortlaufende stratigrafische Abfolge freigelegt, die von der Früh- bis in die Spätbronzezeit reicht; kontinuierliche Kulturabfolgen dieser Länge sind im zentralen Ägäisraum außergewöhnlich und nur von sehr wenigen anderen Fundorten bekannt. Geplant ist, Stratigrafie und Funde aus drei unterschiedlichen Grabungsbereichen von Kolonna abschließend zu veröffentlichen. 

Befestigungsmauer


Die zwischen 1966 und 1979 unter der Leitung von H. Walter und F. Felten durchgeführten Untersuchungen im Bereich der prähistorischen Befestigungsmauern von Kolonna konnten sechs aufeinanderfolgende Phasen der Befestigung der Mittleren und Frühen Bronzezeit III nachweisen (Kolonna V–X) und legten damit die Grundlage für die stratigrafische Beurteilung der Siedlung. Die älteren Siedlungsphasen (Kolonna I–IV; Neolithikum bis zum Beginn der Frühen Bronzezeit III) waren hingegen nicht befestigt.

Prähistorische Innenstadt


Die Ausgrabungen in der ›prähistorischen Innenstadt‹ konzentrierten sich auf einen Bereich, der bereits vor dem II. Weltkrieg teilweise freigelegt worden war, die Ergebnisse dieser Untersuchungen blieben aber unveröffentlicht. Unter der Leitung von F. Felten und S. Hiller wurden zwischen 1993 und 2000 Nachgrabungen vorgenommen, die neue Erkenntnisse, vor allem zur Frühen Bronzezeit II und III, erbrachten. Einer der Höhepunkte dieser Grabungen war die Entdeckung eines Schmuckhortfundes mit zahlreichen Objekten aus Edelmetall.

Südhügel


Unter der Gesamtleitung von F. Felten wurden von W. Gauß und R. Smetana zwischen 2002 und 2010 Untersuchungen am ›Südhügel‹ durchgeführt, um die stratigrafische Abfolge der Mittleren und beginnenden Späten Bronzezeit zu klären. Eine der wichtigsten Entdeckungen dieser Grabungen war die teilweise Freilegung eines monumentalen Gebäudes der Mittleren Bronzezeit. Die im Bereich des Gebäudes zutage gekommenen Funde weisen während einer bestimmten Phase der Nutzung klare Bezüge zu Kreta auf.

Ägina-Kolonna, Grabung am ›Südhügel‹ (Foto: ÖAW-ÖAI/W. Gauß)

Stratigrafie und Chronologie


Für die relativchronologische Forschung ist Kolonna besonders aus zwei Gründen von großem Interesse: Zum einen wurde hier neben lokal hergestellter Keramik auch eine große Anzahl importierter Gefäße vom griechischen Festland, von den Kykladen und aus Kreta gefunden. Zum anderen wurde seit der Frühen Bronzezeit auf Ägina Keramik hergestellt, die sich in unterschiedlichen Mengen auch an vielen Fundorten außerhalb der Insel gefunden hat. Anhand stratigrafischer Beobachtungen, der Fundanalyse und naturwissenschaftlicher Untersuchungen gewonnene Erkenntnisse zum erstmaligen Auftreten, der Häufigkeit oder der Fundvergesellschaftung bestimmter Keramikgattungen sind damit nicht nur für Kolonna von Bedeutung, sondern tragen auch zur Beurteilung anderer Fundplätze wesentlich bei.

Ägina-Kolonna, lokal hergestellte und importierte früh- und mittelbronzezeitliche Keramik von den Grabungen am ›Südhügel‹ (Foto: ÖAW-ÖAI/W. Gauß, digitale Nachbearbeitung: R. Smetana)