Die Beschäftigung mit Leder- und Fellartefakten ist ein Spezialfach in der Archäologie. Das Forschungsvorhaben wird anhand eisenzeitlicher mitteleuropäischer (Dürrnberg bei Hallein [A] und Glauberg [D]) und antiker vorderasiatischer Fundstellen (Chehrābād im Iran) durchgeführt. Mit den Untersuchungen wird ein Beitrag zur Kultur-, Handwerks- und Wirtschaftsgeschichte geleistet.

Für die Erforschung früherer Gesellschaften ist das Verständnis ihrer Wirtschaftsweisen und Strategien, die sie bei der Beschaffung von Rohstoffen angewendet haben, unabdingbar. Dafür wesentlich sind auch die Erfassung von Handwerkstechniken und Kenntnisse der Materialeigenschaften. Im Rahmen des Projektes werden Technologien, die bei der Herstellung und Verarbeitung von tierischen Häuten, Leder und Fellen angewandt wurden, erforscht.

Das Material und seine Erhaltung

Die Beschäftigung mit Leder und Fellen ist ein Spezialfach in der Archäologie, da diese Fundgruppe im archäologischen Fundmaterial äußerst selten auftritt. Aufgrund von natürlichen Zersetzungsprozessen vergehen sie mit der Zeit. Nur unter ganz bestimmten Bedingungen bleiben sie erhalten, wie in den eisenzeitlichen Salzbergwerken von Dürrnberg bei Hallein, Österreich (Späthallstattzeit/Latènezeit) oder in Chehrābād, Iran (Achämenidisch/Sassanidisch). Auch in Kontakt mit Metallen kann es zu einer Konservierung kommen, wie es am Glauberg, Deutschland (Späthallstattzeit/Frühlatènezeit) der Fall ist. In den Hügelgräbern der dort bestatteten keltischen Krieger haben sich einzigartige Lederobjekte wie eine lederne Blattkrone erhalten, die ihr Pendant an der berühmten Sandsteinstatue vom Glauberg dargestellt findet.

Fragestellungen

Die Untersuchung der Leder- und Fellfunde dieser unterschiedlichen archäologischen Fundstellen wird unterschiedliche Strategien bei der Rohstoffbeschaffung, differierende Handwerkstraditionen und den Einsatzbereich verschiedener kollagener Werkstoffe zeigen. Wie die Werkstoffe hergestellt wurden und welche Gerbmethoden angewandt wurden, zeigt den technologischen Stand einer Gemeinschaft an. Die damals entwickelten Verfahren bilden die Grundlage für Technologien, die bis in die Moderne angewendet werden. Die Kleidung der in Chehrābād erhaltenen mumifizierten Bergmänner, die bei Bergwerksunglücken ums Leben kamen, stellt eine singuläre Quelle zur Erforschung der Bekleidung in achämenidischer und sassanidischer Zeit dar. Dass Menschen seit jeher ihre Lebenswelt farbig gestaltet und dekoriert haben, zeigen auch die singulären gefärbten Lederstücke vom Dürrnberg, an denen Farbstoffe und Färbetechniken analysiert werden. Als Besonderheit können die am Dürrnberg erst kürzlich identifizierten Werkstoffe aus inneren Hohlorganen, wie Darm, Blase, Magen, gewertet werden. Aus welchem Organ sie genau hergestellt, wie die Verarbeitung dieser empfindlichen Werkstoffe durchgeführt wurde und wofür die aus ihnen hergestellten Objekte dienten, sind ebenso Fragestellungen des Projektes.

Methoden

Als Methoden werden vergleichende, typologische und materialkundliche Analysen, experimentelle Archäologie und naturwissenschaftliche Methoden, wie z. B. unterschiedliche mikroskopische Verfahren (Auflicht-, Durchlicht-, Rasterelektronen-, Transmissionselektronenmikroskopie) oder chromatographische Verfahren (Gaschromatografie, Hochleistungsflüssigkeitschromatografie) angewendet. Für die Bestimmung der Tierart kommen zudem DNA-Analysen und zur Herkunft der verwendeten Tiere Strontiumisotopen-Analysen zum Einsatz.

Ziel des Projektes

Mit den Fragestellungen und Untersuchungen an die aus unterschiedlichen kulturellen und zeitlichen Kontexten stammende Fundgruppe soll ein Beitrag zur Wirtschaftsarchäologie ebenso wie zur Kultur- und Handwerksgeschichte geleistet werden.

Projektleitung

Gabriela Ruß-Popa

Laufzeit

10/2018 –09/2021

Finanzierung

FWF Hertha-Firnberg-Programm [Projekt T1025]