Eine Opfergrube nahe dem modernen Dorf Ezbet Ruschdi, einst Bestandteil der antiken Stadt Avaris, enthielt eine außergewöhnliche Mischung aus kompletten Tierniederlegungen und einer großen Anzahl von Gefäßen, wie sie ansonsten in Tell el-Dabʿa nur getrennt vorgefunden werden. Auch die Zusammensetzung der Gefäßformen ist bislang so nicht belegt. In einer eingehenden Analyse wird diese Grube in den Kontext von Tell el-Dabʿa und der beteiligten Einflusszonen in Ägypten und der Levante gestellt.

Bei den Ausgrabungen des Österreichischen Archäologischen Instituts 1996 in Ezbet Ruschdi haben M. Bietak und J. Dorner eine Opfergrube freigelegt, deren Inhalt deutlich jünger ist als die restlichen Befunde in diesem Bereich. Sie schneidet in die verstärkte Eingangsmauer des Tempels von Ezbet Ruschdi ein, der aus der zweiten Hälfte der 12. Dynastie (19. Jahrhundert v. Chr.) stammt. Anhand des Inhalts kann die Grube in das frühe Neue Reich (zweite Hälfte 16. Jahrhundert v. Chr.) datiert werden. Die Umgebung ist durch moderne Ackerbautätigkeiten völlig abgegraben, sodass sich der ursprüngliche Fundkontext dieser Grube nicht mehr herausfinden lässt.

Die Opfergrube enthält Keramikgefäße sowie die Skelette zweier Esel, die über vier Schafe gelegt waren. Die osteologischen Untersuchungen wurden bereits kurz nach der Entdeckung von Angela von den Driesch (Institut für Paläoanatomie und Geschichte der Tiermedizin, München) durchgeführt. Diese Art von Deponierung ist in Tell el-Daba bereits ab der späten 12. Dynastie (spätes 19. Jahrhundert v. Chr.) bei vereinzelten Gräbern belegt und stammt mit Sicherheit aus dem vorderasiatischen Bereich. Bei den Tierbestattungen im Grabzusammenhang war jedoch deutlich weniger Keramik deponiert als bei dieser Grube.

Interessant ist insbesondere das junge Datum des Grubeninhalts, womit auch für dieses Stadtgebiet eine Fortsetzung der kultischen Gepflogenheiten bis ins Neue Reich belegt ist.

Projektleitung

Vera Müller

Kooperationen

  • Irene Forstner-Müller (ÖAI)
  • Manfred Bietak (ÖAI)
  • Joris Peters (Ludwig-Maximilians-Universität München, Deutschland)