Analyse prähistorischer Brot-/Breireste aus Mitteleuropa hinsichtlich ihrer Zutaten und Herstellungsweisen

Das ERC-Projekt PLANTCULT untersucht prähistorische kulinarische Traditionen in Europa, einer der Schwerpunkte widmet sich Erzeugnissen aus Getreiden. Am ÖAI werden archäologische Getreideerzeugnisse – Brot im weitesten Sinne – in Hinblick auf ihre Komponenten und Herstellungsweisen untersucht.

PLANTCULT, verkohltes jungsteinzeitliches Brot (›Urknödel‹) vom Mondsee (Foto: ÖAW-ÖAI/N. Gail)

Kulinarische Traditionen spiegeln verschiedenste Aspekte menschlicher Gesellschaft wider und bewegen sich in einem Spannungsfeld von Sensorik, Praktikabilität und Nährwert auf der einen und von Tradition, Identität, Status und Kult auf der anderen Seite. Das Projekt »PLANTCULT: Identifying the food cultures of ancient Europe: an interdisciplinary investigation of plant ingredients, culinary transformation and evolution through time« (Leitung S. M. Valamoti), das mit April 2016 begonnen hat, befasst sich mit der Erforschung kulinarischer Traditionen und Innovationen in Europas Prähistorie. Im Zentrum des Interesses stehen pflanzenbasierte Lebensmittel in Mittel- und Südosteuropa.

Zielsetzungen


PLANTCULT , verkohltes spätbronzezeitliches Getreideerzeugnis aus Stillfried an der March (Foto: ÖAW-ÖAI/N. Gail)

Im Projekt soll ein neues Verständnis für die Entscheidungsprozesse entwickelt werden, die hinter der Auswahl der Zutaten und den angewandten Verarbeitungstechniken stehen. Ein transdisziplinärer Ansatz vereint bioarchäologische und lebensmittelanalytische Methoden mit Microwear- und Mikrofossilanalysen an archäologischen Belegen der verwendeten Werkzeuge und einem breiten experimentalarchäologischen Ansatz. Getreideerzeugnisse (Brot, Brei, Bulgur usw.) stellen einen Materialschwerpunkt dar, Wein, Olivenöl und Bier die weiteren.

Erforschung der Zubereitung von Getreiden


Ein seit Oktober 2016 am ÖAI angesiedelter Teil des Projekts beschäftigt sich mit der strukturellen Analytik neolithischer bis eisenzeitlicher Funde von Getreideerzeugnissen (vollständig verkohlte ›Brote‹ im weitesten Sinne) aus Mitteleuropa. Neben der bereits etablierten elektronenmikroskopischen Bestimmung der pflanzlichen Komponenten werden weitere Verfahren sondiert, um auch die Strukturaufklärung voranzutreiben, beispielsweise um auf Fermentierung des Teigs Rückschlüsse zu ziehen.

PLANTCULT, elektronenmikroskopische Aufnahme eines jungsteinzeitlichen Fladenbrotes aus Zürich, Fundstelle Parkhaus-Opéra (Foto: VIAS/A. G. Heiss, M. Mehofer)