3.000 Jahre Krankheitsgeschichte

Auf der Spur von Malaria in Knochen- und Zahnproben aus Nordafrika, dem Mittelmeerraum und Zentraleuropa durch Anwendung innovativer Technologien und interdisziplinärer Zugänge

Historische medizinische Aufzeichnungen und moderne genetische Studien lassen vermuten, dass die Malaria bereits seit Jahrtausenden in vielen Regionen eine der häufigsten Todesursachen war und damit auch Einfluss auf Siedlungsmuster sowie politische und soziale Prozesse hatte. Im Gegensatz zu vielen anderen Infektionskrankheiten ist Malaria jedoch bisher kaum an menschlichen Überresten nachweisbar. Absicht des Projekts ist die Schaffung neuer biomolekularer Methoden für die Identifikation von Malariaerregern in Knochen und Zähnen, um so einen Einblick in Verbreitung, Entwicklung und Einfluss der Krankheit in der Vergangenheit zu bekommen.

Malaria in der Antike


Obwohl Malaria in weiten Teilen der Welt noch immer eine zentrale Bedrohung darstellt, sind die Ursprünge der Krankheit, aber auch ihre Verbreitung und Auswirkungen auf antike Zivilisationen bis heute nur unzureichend erforscht. Infektionskrankheiten wie Malaria stellen zentrale Parameter in der Menschheitsgeschichte dar, da sie Auswirkungen auf Siedlungsmuster sowie Bevölkerungswachstum oder -schwund hatten, aber auch Wanderbewegungen auslösten. Daher ist die Kenntnis ihrer Verbreitung eine Voraussetzung für die umfassende Rekonstruktion der Vergangenheit und das Verständnis um die Prozesse und Dynamiken, die zum Werden menschlicher Kulturen in Vergangenheit und Gegenwart geführt haben. Beim Menschen wird die Krankheit durch vier – nach neuesten Erkenntnissen fünf oder sechs – Spezies von Parasiten der Gattung Plasmodium verursacht. P. malaria, P. vivax und P. falciparum waren auch in Europa in den letzten Jahrhunderten endemisch, allerdings führt nur Letzters zu potenziell tödlicher Malaria. Die Frage, wann P. falciparum den nördlichen Mittelmeerraum erreichte, ist wohl ungeklärt, wird aber immer wieder mit dem Niedergang der Kulturen in der Spätantike in Verbindung gebracht. 

Der Nachweis von Malaria an menschlichen Skelettresten


Im Gegensatz zu vielen chronischen Infektionskrankheiten führt Malaria zu keinen direkten Veränderungen am Knochen und kann daher nicht am Skelett nachgewiesen werden. Versuche, durch indirekte Auswirkungen wie Anämie Malariainfektionen am Skelett zu diagnostizieren, konnten ebenfalls keine zufriedenstellenden Ergebnisse liefern. Auch der biomolekulare Nachweis der Erreger-DNA, wie er etwa bei Pest oder Tuberkulose bereits seit Jahren erfolgreich erbracht werden kann, gestaltete sich bei der Malaria bisher sehr schwierig. 

Projektziele


Die Zusammenarbeit von Archäologie, Anthropologie, Parasitologie und Geschichtswissenschaften in Kooperation mit der Arbeitsgruppe des Malariaspezialisten H. Nödl (Medizinischen Universität Wien) und Albert Zink (EURAC, Bozen) soll innovative Ansätze zur Identifikation von Malariaerregern in Knochen- und Zahnproben menschlicher Überreste entwickeln. Folgenden Forschungsgebiete werden verfolgt:

  • Bioarchäologische Untersuchung menschlicher Skelettreste aus Gebieten, wo Malaria potenziell endemisch war
  • Entwicklung neuer biomolekularer Untersuchungsmethoden zur Identifikation von Malariaerregern in Knochen- und Zahnproben
  • Anwendung immunodiagnostischer Methoden zum Nachweis von Malaria-Antigenen in menschlichem Skelettmaterial
  • Analyse historischer medizinischer Literatur zur Einbettung der Ergebnisse in den kulturgeschichtlichen Kontext der untersuchten Skelette

Paläopathologie und Evolutionäre Medizin


Über ihren historischen und archäologischen Informationsgehalt erlauben menschliche Überreste Langzeitperspektiven für Bevölkerungsprozesse, die auch für moderne klinische und epidemiologische Forschung von höchster Relevanz sind. Das Wissen um die Genese von Krankheitserregern sowie ihre Interaktion mit den menschlichen Wirten kann ein bedeutender Schritt für das Verständnis und damit auch für die Erarbeitung neuer Strategien im Kampf gegen diese Krankheiten sein. In Verbindung mit Hintergrunddaten zu Umwelt, Kultur oder Sozialstatus einer untersuchten Gruppe können menschliche Skelettreste wichtige Erkenntnisse über die Evolution der Beziehungen zwischen Erregern und Wirten, den Ursprüngen genetischer Variabilität und den Risikofaktoren vieler Krankheiten liefern. Daher kann die Erforschung der bisher kaum bekannten genetischen und epidemiologischen Geschichte von Malaria auch einen bedeutenden Schritt zum besseren Verständnis der Krankheit und damit auch zur Entwicklung neuer Wege im Kampf gegen eine der bis heute häufigsten Todesursachen weltweit bedeuten.