Fundmünzen der Ausgrabungen in Ephesos

Im Rahmen der Grabungen in Ephesos werden Tausende antiker Münzen gefunden, die für die Geschichte, die wirtschaftlichen Verhältnisse und etliche andere Aspekte einzigartige Informationen liefern.

Ephesos, 40 Nummi des Heraclius, Cyzicus, 611/612 n. Chr. (Foto: ÖAW-ÖAI/N. Gail)
Ephesos, 40 Nummi des Heraclius, Cyzicus, 611/612 n. Chr. (Foto: ÖAW-ÖAI/N. Gail)

Seit dem Jahr 2000 führt die Arbeitsgruppe Numismatik des IKAnt der ÖAW (früher: Numismatische Kommission) die Bearbeitung der ephesischen Fundmünzen durch. Sämtliche neugefundenen Münzen werden datenbankmäßig erfasst und erhalten eine vorläufige Bestimmung; zudem werden sie vom ÖAI fotografisch dokumentiert. Im Rahmen der Endauswertung archäologischer Komplexe erfolgt die Kontrolle und Vervollständigung der Bestimmungen, gegebenenfalls die Aufnahme älterer Fundbestände, die Fertigstellung des Katalogs und je nach Informationsgehalt des numismatischen Materials eine wissenschaftliche Auswertung. Im Folgenden sollen drei mögliche Anwendungsmöglichkeiten numismatischer Forschung für den größeren Kontext der ephesischen Stadtgeschichte kurz umrissen werden.

Case Study 1: Ephesos im 7. Jahrhundert


Die Stadtgeschichte von Ephesos im 7. Jh. ist bei Weitem nicht in allen Details bekannt. Eine genaue Analyse aller momentan greifbaren byzantinischen Fundmünzen aus dieser Zeit ergab, dass in den frühen Jahren des Kaisers Heraclius (610–641), genauer gesagt ca. 615/616, der Zustrom von Münzen nach Ephesos zumindest im Bereich der Kuretenstraße massiv abnimmt; dieses Phänomen war beispielsweise bereits aus Sardes bekannt und wurde von C. Foss mit einem Plünderungszug sasanidischer Armeen durch Westkleinasien erklärt. Inzwischen neu zutage gekommene, teilweise noch nicht publizierte Fundmünzen haben das Bild von der Materialverteilung untermauert. 

Case Study 2: Eine umayyadische Kupfermünze aus Ephesos


Einzelne Münzen können mitunter von besonderem historischen Interesse sein: Eine umayyadische Kupfermünze aus dem Bereich der Türbe beim Artemision hilft, das Einfließen frühislamischer Münzen in den mittelbyzantinischen Geldverkehr besser zu verstehen. Vor diesem Fund bestand aufgrund der wenigen bekannten Münzen, die früher datierten, die Möglichkeit, dass derartige Bronzemünzen im Zusammenhang mit der Belagerung Konstantinopels 717/718 n. Chr. standen; das ephesische Stück, das deutlich später geprägt wurde, beweist nun, dass dies nicht der einzige Anlass war. 

Ephesos, umayyadischer Fals, ohne Münzstättenangabe, 734–736 n. Chr. (Foto: ÖAW-ÖAI/N. Gail)

Case Study 3: Ephesos und Karthago


Im spätantiken Fundmaterial aus Ephesos finden sich ungewöhnlich oft Kleinmünzen aus der Münzstätte Karthago, geprägt teils von byzantinischen Kaisern (vor allem Justinian I., 527–565), teils von vandalischen Königen. Im Rahmen einer interdisziplinären Studie werden die Zuflussmuster nordafrikanischer Keramik und Münzen analysiert, um Erkenntnisse über die wirtschaftlichen Beziehungen dieser beiden spätantiken Metropolen zu gewinnen.