Hölzer aus dem spätantik-mittelalterlichen Ephesos: Waldmanagement, Handel und Fertigungstraditionen

Das spätantik-mittelalterliche Stadtquartier südlich der Marienkirche in Ephesos ist aufgrund von Brandzerstörungen Quelle für enorme Mengen an verkohlten Hölzern. Ihre Untersuchung birgt den Schlüssel für Fragen aus so unterschiedlichen Bereichen wie Forstwirtschaft, Bauwesen, Kunsthandwerk und Handel.

Ephesos, spätantik-mittelalterliches Stadtquartier südlich der Marienkirche (Foto: ÖAW-ÖAI/N. Gail)

Auch sehr kleine Holzkohlenfragmente erlauben – unbeschadet des Verkohlungsprozesses – anhand spezifischer holzanatomischer Merkmale eine Bestimmung der verwendeten Strauch- oder Baumart oder Baumgattung. Durch ihre Resistenz gegenüber mikrobiellem oder chemischem Abbau können Holzkohlen auch unter ungünstigen Erhaltungsbedingungen Jahrtausende im Boden überdauern. Sie sind deshalb eine außerordentlich wertvolle Quelle umwelt- und wirtschaftsarchäologischer Daten.

Das spätantike Ephesos


Das seit 2011 ergrabene Stadtquartier südlich der Marienkirche öffnet ein Fenster in die Spätzeit von Ephesos, mit zahlreichen einander überlagernden baulichen Strukturen aus dem 5. Jh. n. Chr. bis weit hinein in das Mittelalter. Eine der vielen Besonderheiten ist die Vielfältigkeit der Gebäudenutzungen in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander: unmittelbar angrenzend an eine reich ausgestattete Residenz finden sich auch Handwerkerquartiere und einfache Wohnstätten. Vor allem die großflächigen Brandzerstörungen aus dem 7. Jh. haben enorme Mengen verkohlter Hölzer hinterlassen.

Brandschichten als Schatztruhen


Das Forschungsprojekt zur Holznutzung widmet sich in einem erstem Schritt der Identifikation dieser Hölzer. In der laufenden Synthese dieser Daten mit der archäologischen Befundung, der Auswertung sozioökonomischer Rahmenbedingungen aus Kleinfunden wie auch aus Schriftquellen und schließlich auch den vegetationsgeschichtlichen Daten aus Pollenanalysen soll das Lebensbild des spätantiken und mittelalterlichen Ephesos weiter vervollständigt werden.

Holz als universeller Werkstoff


Durch alle Epochen und Kulturen zieht sich – die entsprechende Verfügbarkeit vorausgesetzt – die Omnipräsenz von Holz als Ressource: als Brennholz im häuslichen wie auch im technischen Bereich, als architektonisches Element, als Schnitz- und Drechselholz für die Herstellung von Einrichtungsgegenständen, Werkzeugen, Waffen oder Schmuck.

Erste Ergebnisse


Bisher liegen Daten zu knapp 6.500 Holzkohlenstückchen vor. Die Konstruktionshölzer konnten innerhalb dieses schier unüberschaubaren Fundensembles anhand in situ liegender Balken und Bretter, an Konstruktionsnägel ankorrodierter Holzkohlenstückchen sowie flächendeckendem Auftreten angesprochen werden: Eichen-, Kiefern- und Tannen- oder Zedernholz dominieren diesen Aspekt. Der Fund eines außergewöhnlich gut erhaltenen Möbelensembles mit beschnitztem Walnuss- und Eibenholz stellt den bisherigen Höhepunkt der Untersuchungen dar.

Ephesos, elektronenmikroskopische Aufnahme eines spätantiken Fundes von Walnussholz (Juglans regia). Links: Querschnitt, Mitte: Tangential-, rechts: Radialschnitt (Foto: VIAS/A. G. Heiss, M. Mehofer)
Ephesos, Stadtquartier. Mit Blattdekor beschnitztes Walnussholz aus den Zerstörungshorizonten des 7. Jhs. Maßstablänge 1 cm (Foto: ÖAW-ÖAI/A. G. Heiss)