Via Aurelia

Detailstudie zur Siedlungsentwicklung entlang einer Transitroute in Etrurien

Im Rahmen des Forschungsschwerpunkts zu überregionalen Kommunikationsachsen im Mittelmeerraum werden Siedlungsstrukturen und Produktionsorte entlang der küstennahen Straßentrasse(n) der Via Aurelia im Abschnitt zwischen den Flüssen Cecina im Süden und Fine im Norden, demnach zwischen der repräsentativen Villenanlage von San Vincenzino bei Cecina einerseits und Vada Volterrana, dem Haupthafen von Volterra im nördlichen Etrurien andererseits, prospektiert.

Via Aurelia, Toskana. Blick von Norden auf das an der tyrrhenischen Küste gelegene Forschungsgebiet (Foto: ÖAW-ÖAI/K. Freitag)
Via Aurelia, Toskana. Blick von Norden auf das an der tyrrhenischen Küste gelegene Forschungsgebiet (Foto: ÖAW-ÖAI/K. Freitag)
Via Aurelia, Poggio Fiori. Geophysikalische Messungen (Foto: ÖAW-ÖAI/I. Repetto)
Via Aurelia, Poggio Fiori. Geophysikalische Messungen (Foto: ÖAW-ÖAI/I. Repetto)

Die küstennahen Siedlungsareale wurden im Rahmen mehrerer Feldkampagnen von 1980 bis 2005 von der Forschungsgruppe des Istituto e l’Università di Pisa begangen, wobei Fundplatzdefinitionen aufgrund der angetroffenen Oberflächenfunde erfolgten. Hierbei wurde differenziert zwischen Stationes, Mansiones und Fattorie. In La Villana gelang es bereits, Teile einer Villa freizulegen, während in Pioggio Fiori eine Keramikproduktion lokalisiert werden konnte. In diesem weitläufigen Forschungsraum werden punktuelle geophysikalische Prospektionen von fünf im Abstand von jeweils etwa 4 km zueinander gelegenen Fundplätzen vorgenommen: La Villana, Capo di Villa, Vallescaia und Podere del Pozzo befinden sich annähernd auf einer parallel zur Küste verlaufenden Linie, Poggio Fiori liegt etwas weiter im Hinterland. Die Befunde des tyrrhenischen Küstenlandes sollen mit den Siedlungsstrukturen in dem bislang kaum untersuchten Hinterland, dem nördlichen Binnenland Etruriens, verglichen werden, worauf eine Kooperation mit dem Institut für Klassische Archäologie der Universität Wien abzielt.

Keramikproduktionszentrum Poggio Fiori


Die besten Prospektionsergebnisse wurden bislang im antiken Keramikproduktionszentrum von Poggio Fiori erzielt, wo Bau- und Gebrauchskeramik sowie Amphoren der Typen Dressel 2–4 und Ostia I /Ostia IV produziert wurden. Von Brennöfen sind Bauteile und Schlacken bekannt, ein Ofen konnte bereits archäologisch untersucht werden. Ob es auch eine Sigillataproduktion gab, ist noch nicht gesichert, jedenfalls fanden sich Terra Sigillata italica und tardo-italica, darunter solche mit Herstellerstempel des Ateius und L. Rasinius Pisanus. Die Magnetikdaten lassen in etwa 150 m Abstand zu einem heute regulierten Bach eine aus mindestens drei etwa 11 × 19 m großen, rechteckigen Brennkammern bestehende Ofenbatterie erkennen, deren Bedienungsgruben an der Hangseite lagen. Zahlreiche Anomalien streuen in einem Umkreis von etwa 50 m um diese Strukturen. Die prospektierte Ofenbatterie befindet sich in deutlichem Abstand zu dem bereits ergrabenen Keramikbrennofen.

Via Aurelia, Poggio Fiori. Brennöfen in den Magnetikdaten (Grafik: ÖAW-ÖAI/I. Repetto)