Transitrouten und Militärpräsenz in der Gallia Aquitania

Das Schwerpunktprojekt zu den Transitrouten und der Militärpräsenz in der Region Haute-Garonne hat seinen Fokus in der bedeutenden Colonia Lugdunum Convenarum. Primär wird das Militärlager von Lugdunum Convenarum, seine strategische Bedeutung und seine Einbindung in den antiken Siedlungsraum erforscht.

Das Schwerpunktprojekt zu den Transitrouten und der Militärpräsenz in der Region Haute-Garonne hat seinen Fokus in der bedeutenden Colonia Lugdunum Convenarum. Primär wird das Militärlager von Lugdunum Convenarum, seine strategische Bedeutung und seine Einbindung in den antiken Siedlungsraum erforscht.

 

Lugdunum Convenarum (Saint-Bertrand-de-Comminges) war eine an der Grenze zwischen Gallien und Hispanien gelegene Colonia frühaugusteischer Zeit, die auf einem 72 v. Chr. von Pompeius gegründetem Oppidum fußte. Die strategisch günstige Lage am Fluss Garonne, schiffbar ab Lugdunum, sowie an einer die Pyrenäen querenden Handelsroute, auf halbem Weg zwischen Mittelmeer und Atlantik, trug zu der hervorragenden Bedeutung der Stadt als Verkehrsknotenpunkt überregionaler Kommunikationsachsen und als merkantiles Zentrum bei.

Lugdunum Convenarum: Urbanistik und Einbindung in das römische Straßennetz


Zahlreiche ab der ersten Hälfte des 1. Jhs. n. Chr. errichtete öffentliche Gebäude wie ein weitläufiges Forum (forum novum) und ein komplexes Macellum am forum vetus(boarum), mehrere Tempel, ein Szenentheater sowie drei Thermenanlagen beachtlicher Größe (3.120 m², 2.940 m², 700 m²) zeugen von der besonderen Bedeutung als Zentralort, Zollstation und Warenumschlagplatz am Rande des Bergbaugebiets der Pyrenäen.

Feldforschungen seit 2015


Im Rahmen des Schwerpunktprojekts zielen überwiegend nichtinvasive Methoden der Feldarchäologie (geophysikalische Prospektionen mit Magnetik und Radar, Suszeptibilitätsmessungen, Surveys und geodätische Bauaufnahmen), aber auch invasive wie Rammkernsondierungen, Metalldetektorprospektionen und kleinflächige Grabungen auf die Erforschung grundlegender Fragestellungen der Stadtgeschichte ab.

Die weitläufigen geophysikalischen Messungen erbrachten seit 2015 eine deutliche Verdichtung der Informationen über städtische Infrastruktur und Wegenetz, wobei ein bemerkenswerter Zuwachs an Monumentalbauten öffentlichen Charakters sowie privater Bauten unterschiedlichen Typs offenkundig ist. Dieser völlig veränderte Blick auf den antiken Stadtplan ergibt sich auch anhand der in Kooperation mit der Université de Lille/HALMA initiierten Prospektion der Nekropolen, die ein neues Licht auf den suburbanen Raum werfen.

Lugdunum Convenarum: Militärlager


Ein in unmittelbarer Nähe des Zentrums der zivilen Colonia Lugdunum Convenarum errichtetes Militärlager von 2,7 ha Größe wurde bislang nur durch kleinflächige Sondagen untersucht. Anhand der vom ÖAI durchgeführten geophysikalischen Prospektionen sind nun dessen Befestigung mit vorspringenden Rechtecktürmen sowie die komplexe Innenbebauung erstmals im Detail zu dokumentieren. Aufgrund der Fortifikationsarchitektur ist ein direkter Vergleich mit Anlagen wie den Castra Albana bei Rom, aber auch mit kontemporär errichteten Lagern der Legio II Italica zu ziehen. Hier schließen die Forschungen in der Haute-Garonne an das Schwerpunktprojekt zur Legio II Italica in Noricum und zur raschen spätantoninisch-severischen Bauabfolge der drei Legionslager von Ločica (Slowenien), Enns-Lauriacum und Albing (Österreich) an.