Bernsteinstraße nördlich der Donau: Zentralort Drösing und Feldlagerforschung

Nördlich der Donau fokussieren sich die Forschungen entlang des Flusses March auf temporäre römische Feldlager und den polykulturellen Zentralort Drösing.

Drösing. Multi-Sensor-Prospektion (Foto: Eastern Atlas)
Drösing. Multi-Sensor-Prospektion (Foto: Eastern Atlas)

Drösing – Zentralort an der March


Drösing. Teilaspekt der Geophysikdaten. 1 – Palisadenumwehrung. 2 – Siedlungs- und eventuell Bestattungszone. 3 – Nordteil des Oppidums mit Zangentoren und Außenwerk (Grafik: ÖAW-ÖAI. K. Freitag, Eastern Atlas)
Drösing. Teilaspekt der Geophysikdaten. 1 – Palisadenumwehrung. 2 – Siedlungs- und eventuell Bestattungszone. 3 – Nordteil des Oppidums mit Zangentoren und Außenwerk (Grafik: ÖAW-ÖAI. K. Freitag, Eastern Atlas)

Ausgedehnte geophysikalische Multi-Sensor-Prospektionen, die sich auf rund 140 ha in den Gemeindegebieten von Drösing und Ringelsdorf erstreckten, erbrachten den Nachweis eines spät-La-Tène-zeitlichen Oppidums auf dem Zajia-Berg, einer hügelartigen Erhebung am Rande der March-Auen. Das durch eine Grabenanlage umfriedete Areal misst 744,1 × 440,4 m (25 ha) in der Gesamtheit und wäre demnach flächenmäßig zu den kleinen, rund 40 bekannten Oppida mit Maßen zwischen 20 und 30 ha zu zählen.

Römische Nachnutzung des spät-La-Tène-zeitlichen Oppidums von Drösing


Interessant für die Fragestellung der römischen Militärpräsenz nördlich der Donau ist die Feststellung, dass eine römische Nachnutzung der Festung in frührömischer Zeit zu postulieren ist. So ist insbesondere das Außenwerk bestehend aus Annäherungshindernissen in Form zugespitzter Pfosten (pila muralia) ein typisches Kennzeichen römischer Militärarchitektur und eine Mehrphasigkeit der hölzernen Torkonstruktionen aufgrund der sich im Messbild abzeichnenden zahlreichen Pfostengruben klar ersichtlich. Ein Titulum im Bereich eines den inneren Graben durchbrechenden Tors indiziert gleichfalls eine römische Adaption. Zwei Drittel aller frührömischen Oberflächenfunde stammen aus dem Areal der Befestigung, darunter auch Panzerschnürhaken, Panzerschnalle, Kurzschwert sowie Nachweise von Aucissa-Varianten und Fibeln Riha 5.7 wie auch zahlreichen Fibeln des Typs Almgren 68. Außerhalb der eisenzeitlichen Grabenanlage konnte zudem eine ovale Palisadenumwehrung von 170,4 × 80,8 m mit Clavicula-Toren am Rande der March-Auen dokumentiert werden, die eventuell auch in frührömischer Zeit genutzt wurde. Von dort stammt ein As des Augustus mit Kontermarke IMP AUC.

Drösing. Palisadenumwehrung mit Clavicula-Toren (Grafik: ÖAW-ÖAI. K. Freitag, Eastern Atlas)
Drösing. Palisadenumwehrung mit Clavicula-Toren (Grafik: ÖAW-ÖAI. K. Freitag, Eastern Atlas)

Römische Feldlager an der March südlich von Drösing


Luftbilddokumentationen von Feldlagerstrukturen werden zurzeit mittels großflächiger geophysikalischer Prospektionen entlang der March südlich von Drösing überprüft. An den Fundplätzen Baumgarten an der March und Marchegg sind römische Funde zutage getreten, die aus einer römischen Militärpräsenz während der mittleren Kaiserzeit und im Speziellen zur Zeit der Markomannenkriege resultieren. Die Analyse dieser Fundstellen erfolgt unter Berücksichtigung der Forschungsergebnisse entlang des slowakischen Abschnitts der March in enger Kooperation mit Kristian Elschek vom Institut für Archäologie der Slowakischen Akademie der Wissenschaften.