Tonrohstoffe und Evidenz primärer Keramikproduktion in Westkleinasien

Archäometrische Referenzdaten bilden die Grundlage für eine fundierte naturwissenschaftliche Herkunftsbestimmung archäologischer Artefakte. Neben Tonrohstoffen erlaubt insbesondere die Analyse von Überresten primärer Keramikproduktion wie Fehlbränden, ungebrannten Gefäßen oder Modeln die Erstellung lokal-regionaler petrografischer und geochemischer Fingerabdrücke.

Während geologische Karten einen generellen Überblick über die Gesteinsvorkommen einer Landschaft und somit einen Hinweis auf eine mögliche Zusammensetzung der darin abgelagerten Tonsedimente geben können, bilden archäometrische Referenzmuster ein unverzichtbares Instrument, um Herkunftsregionen antiker Keramiken zu verifizieren, zu präzisieren, Keramiktraditionen aufzuzeigen oder die Vielfalt lokal-regional verfügbarer Tonpasten zu verdeutlichen.

Petrografisch-mineralogische Referenzmuster


Wegweisende Arbeiten, die eine detaillierte petrografische und schwermineralogische Definition der Keramikproduktion von Ephesos und Zentralwestkleinasien erlauben, gehen auf R. Sauer (Wien) zurück. Daten, die durch die detaillierte Beschreibung von Baukeramik, Keramik aus Töpferöfen innerhalb des ephesischen Stadtgebiets oder nach archäologischen Kriterien mit bestimmten Produktionen assoziierten Gefäßen generiert wurden, bilden eine einzigartige Ressource für weiterführende Forschungen des Departments Archäometrie am ÖAI. Petrografische Analysen erlauben die Identifikation von Mineral- und Gesteinsbestandteilen von Tonen und können Methoden der Tonmanipulation durch den Töpfer begreifbar machen.

Elementzusammensetzung antiker Keramik


Geochemische Untersuchungen wie Röntgenfluoreszenzanalysen oder Neutronenaktivierungsanalysen können die Herkunftsgebiete archäologischer Keramik genauer eingrenzen und eignen sich hierbei insbesondere für die Klärung von Fragestellungen, die sich mit Feinkeramik beschäftigen. Bislang zentrierte sich das Forschungsinteresse vermehrt auf archaische und mittelalterliche Keramikproduktion und -distribution, wozu sich jüngst jedoch auch Probenserien prähistorischer und römischer Keramik reihten. 

Geologische Feldbegehungen


Geologische Surveys wurden seit den 1990er Jahren, hauptsächlich ebenfalls durch R. Sauer, durchgeführt und deckten vor allem das Areal um die antike Stadt Ephesos, aber auch die umgebende Landschaft ab: Hierbei erstreckte sich das Surveygebiet zwischen Zeytinköy, Kuşadası und Șirince.

Diachrone Bewertung keramischer Hinterlassenschaften


Nicht nur hinsichtlich der Provenienzbestimmung archäologischer Keramikobjekte, sondern auch ihrer diachronen Bewertung ist die Existenz und Erweiterung archäometrischer Referenzdaten unabdingbar. Präferenzen für die Verwendung spezifischer Tonrohstoffe in der Keramikproduktion sind hierdurch ersichtlich, die auf die Verfügbarkeit und Kenntnis bestimmter Lagerstätten in den unterschiedlichen Epochen zurückgeführt werden, aber auch eine bewusste Rohstoffauswahl für die Fertigung bestimmter Gefäßformen und deren Funktion nahelegen können.