Archäometrische Charakterisierung ephesischer Küchenware

Mithilfe naturwissenschaftlicher Analysemethoden wird das ephesische Kochgeschirr, das in das 1. Jh. v. Chr. bis in das 6. Jh. n. Chr. datiert und aus den Fundorten Hanghaus 2 (Wohneinheiten 1, 2, 4, 6, und 7), ›Lukasgrab‹, Schachtbrunnen auf der Oberen Agora, Vediusgymnasium und spätantikes-mittelalterliches Stadtquartier südlich der Marienkirche kommt, umfassend charakterisiert.

Ephesos, Dünnschliffaufnahmen: a) lokales Küchenwarefabrikat mit metamorphen Mineralien und Gesteinen; b) Detailaufnahme eines metamorphen Gesteinsbruchstücks: polykristalliner Quarz mit Glimmer; c) importiertes Küchenwarefabrikat mit vulkanischen Gesteinsbruchstücken; d) Detailaufnahme eines Vulkanitbruchstücks (Foto: Universität für angewandte Kunst, Wien/J. Erci)

Für die Klärung archäologischer Fragestellungen werden im Rahmen dieses Dissertationsprojekts materialtechnische Untersuchungen an antiker Küchenware aus Ephesos vorgenommen. Ein Ziel ist, die unterschiedlichen Tonrezepturen der in Ephesos gefundenen Küchenware zu definieren und deren Laufzeiten zu bestimmen. Die Untersuchung der Herstellungstechniken sowie die Differenzierung der lokalen ephesischen Tonrezepturen von der Importware und Herkunftsanalysen bilden weitere Schwerpunkte des Vorhabens. 

Petrografische Dünnschliffanalysen


Die Küchenware aus Ephesos wird petrografischen Dünnschliffanalysen unterzogen, um die mineralogisch-petrografische Zusammensetzung der Magerungspartikel bestimmen zu können. Dabei werden die Korngrößen, -rundungen, -formen und die optischen Eigenschaften der Mineral- und Gesteinseinschlüsse sowie die Häufigkeit ihres Vorkommens analysiert. Nach der Bestimmung der aplastischen Einschlüsse und dem Vergleich mit der lokalen geologischen Landschaft von Ephesos können Herkunftsinterpretationen erfolgen. Die lokalen ephesischen Tonrezepturen sind durch metamorphe Mineralien und Gesteine gekennzeichnet, während für das importierte Kochgeschirr vulkanische Gesteinsbruchstücke im Ton charakteristisch sind. Es konnten insgesamt 29 verschiedene petrografische Küchenwarefabrikate festgestellt werden.

Schwermineralanalysen


Da Schwermineralien für die Herkunftsbestimmung von Keramik zumeist besser geeignet als Leichtmineralien und im Dünnschliff nur bedingt erkennbar sind, werden die Keramikscherben für entsprechende Analysen aufbereitet und die Schwermineralfraktionen polarisationsmikroskopisch analysiert sowie die verschiedenen Schwermineralien quantitativ bestimmt. Durch diese Methode kann das lokal hergestellte Kochgeschirr von der Importware sicher unterschieden werden. Mittels Vergleichsdaten ist darüber hinaus eine Zuweisung der lokalen Küchenware zu einzelnen Tonentnahmestellen möglich. 

Rasterelektronenmikroskopie und energiedispersive Röntgenanalysen


Gefügeuntersuchungen an ausgewählten Keramikproben werden mittels Rasterelektronenmikroskopie an Schliffen sowie Bruchflächen vorgenommen. Analysiert wird unter anderem der Sinterungsgrad bestimmter Keramikproben, um Rückschlüsse auf die Brenntemperaturen ziehen zu können, sowie das Schmelz- und Reaktionsverhalten der Mineralien bei hochgebrannter Keramik. Mittels energiedispersiver Röntgenanalyse können die Proben auch chemisch analysiert werden. Dabei wird auch die chemische Zusammensetzung der Matrix und der Engobe ermittelt und miteinander verglichen.

Ephesos, REM-Aufnahme eines lokalen Küchenwarefabrikats mit hoher Porosität, grober Matrix, die eine Parallelstruktur zur Oberfläche aufweist, und niedrigem Sinterungsgrad (Foto: Universität für angewandte Kunst, Wien /J. Erci)
Ephesos, REM-Aufnahme eines importierten Küchenwarefabrikats mit grober Magerung und hohem Sinterungsgrad (Foto: Universität für angewandte Kunst Wien/J. Erci)

Thermolumineszenz-Analysen


Einige Mineralien wie Quarz und Feldspat, die in Keramiken häufig vorkommen, speichern infolge der Einwirkung natürlicher Strahlung Energie, die bei Erhitzen unter Lichtemission abgegeben wird. So wird beim Keramikbrand die Lumineszenzuhr ›auf Null gestellt‹, sodass die in der Folge gespeicherte Energie proportional zum Alter ist und bei nochmaligem Erhitzen gemessen werden kann, wodurch eine absolute Altersdatierung von Keramikscherben möglich ist. Im Zuge dieses Projekts wird die Thermolumineszenz-Datierung exemplarisch an ausgewählten Keramikproben angewendet.