Petrografische Analyse byzantinischer Gusstiegel aus Ephesos

Petrografische Untersuchungen frühbyzantinischer Gusstiegel erlauben eine technologische Einschätzung hinsichtlich der Hitzeresistenz und thermodynamischen Eigenschaften dieser Reaktionsbehälter. Ein Vergleich der Zusammensetzung von lokal hergestellter Gebrauchskeramik und Gusstiegeln mag eine mögliche Interaktion von Ton und Metall verarbeitenden Handwerkszweigen verdeutlichen.

Ephesos, Auswahl frühbyzantinischer Gusstiegel aus dem Hanghaus 2 (Foto: ÖAW-ÖAI/N. Gail)
Ephesos, Auswahl frühbyzantinischer Gusstiegel aus dem Hanghaus 2 (Foto: ÖAW-ÖAI/N. Gail)

Werkstattbereiche lassen sich im Hanghaus 2, dem nordöstlichen Abschnitt des Nymphaeum Traiani, den Nordhallen der Kuretenstraße, auf der Oberen Agora und beim Magnesischen Tor verorten und datieren vom 4. bis in das 7. Jh. n. Chr. Aufgrund der spezifischen Anforderungen an Gusstiegel, die das kontrollierte Schmelzen von Metallen ermöglichen, drängt sich die Frage nach einer speziell abgestimmten Zusammensetzung des bei ihrer Herstellung verwendeten Tons auf. Umfassende petrografische Vergleichsdaten zum ephesischen Alltags- und Tafelgeschirr, aber auch geologische Referenzgruppen eignen sich ausgezeichnet, um dies zu klären.

Form, Technologie und Funktion


Die detaillierte Charakterisierung des für die Fabrikation von Gusstiegeln verwendeten Tonmaterials wird überdies verdeutlichen, ob Zusammenhänge zwischen Tonzusammensetzung und im Gusstiegel verarbeiteten Metallen bestehen. Auffallend ist die Ummantelung mancher Gusstiegel mit einer zusätzlichen äußeren Tonschicht, die wohl von Hand aufgebracht wurde. Eine der wichtigsten Funktionen dieser Schicht ist wohl, das Metall im Tiegel länger im flüssigen Zustand zu halten. Zu erwartende Ergebnisse der archäometrischen Analysen könnten einerseits dazu beitragen, die Herstellungsprozesse der Gusstiegel besser verständlich zu machen, und andererseits eine mögliche Interaktionen zwischen zwei unterschiedlichen Handwerkssparten nachweisen.