Buntmetallverarbeitung im byzantinischen Ephesos

Im Rahmen des Projekts werden Metall verarbeitende Produktionsstätten in der byzantinischen Stadt Ephesos sowohl aus archäologischer als auch aus naturwissenschaftlicher Hinsicht untersucht. Die Erforschung der materiellen Hinterlassenschaft der Metallhandwerker und ihrer Werkstätten erbringt Informationen bezüglich des wirtschaftlichen und sozialen Lebens der Stadt.

Ephesos, vollständig erhaltene Gusstiegel von der Oberen Agora (Foto: ÖAW-ÖAI/N. Gail)

Mehrere schriftliche Quellen berichten über Präsenz und Tätigkeiten von Metallhandwerkern, wie Kupfer-und Silberschmiede, in der antiken Stadt Ephesos; man beachte etwa den berühmten Aufstand der Silberschmiede gegen Paulus (Apg 19, 23). 

Projektbeschreibung


Das Forschungsprojekt widmet sich dem Thema städtischer Buntmetallverarbeitung, wobei jene Funde, die mit solchen Aktivitäten in Verbindung gebracht werden können, aus Fundorten überwiegend innerhalb der Stadt stammen. Diese sollen sowohl aus kulturgeschichtlicher als auch aus naturwissenschaftlich-feinschmiedetechnischer Hinsicht ausgewertet werden. Aufgrund der Datierung der Funde und ihrer Fundumstände wurde der chronologische Rahmen auf die Zeit zwischen dem 4. und 10. Jh. n. Chr. eingeschränkt. Der Forschungsschwerpunkt konzentriert sich dabei primär auf die Metall verarbeitenden Produktionsstätten frühbyzantinischer Zeit im Hanghaus 2, obgleich auch anderen Fundorten, die sich vornehmlich in der Oberstadt befinden, hohe Aufmerksamkeit gewidmet wird. Ziel ist, die Eigenschaften dieser Produktionsstätten zu charakterisieren und ihre Rolle in der städtischen Lebenswelt zu definieren.

Das Fundmaterial


Das Fundmaterial (insgesamt mehr als 800 Objekte) umfasst verschiedene fragmentarisch oder auch vollständig erhaltene Gusstiegel, Gussformen, Halbfabrikate, den Metallschrott der Werkstätten und verschiedene Eisenfragmente, die als Werkzeuge der Metallhandwerker zu interpretieren sind. Diese werden nach der traditionellen antiquarischen Methode klassifiziert und ausgewertet, wobei die herstellungstechnologischen Aspekte im Mittelpunkt stehen. Hervorgehoben seien die Gussformen, die die negativen Abdrücke der ursprünglich produzierten Waren erhalten haben, womit eine Bestimmung der Produktionspalette möglich wird.

Ephesos, Gussform einer Schnalle (Foto: ÖAW-ÖAI/N. Gail)
Ephesos, verschmolzene Metallreste, erhalten an der Innenseite eines Gusstiegelfragments aus dem Hanghaus 2 (Mikrofoto: D. Zs. Schwarcz)