ARCHÄOMETRISCHE UNTERSUCHUNGEN AN DER KERAMIK VON ARSLANTEPE UND NORDMESOPOTAMIEN

Ein diachroner Ansatz zur Charakterisierung der Produktionsorganisation

Die archäometrischen Analysen an der Keramik aus Arslantepe (Provinz Malatya) und anderen nordmesopotamischen Siedlungen mit tausendjährigen Zeitabfolgen sollen beitragen, den Grad und die Form der handwerklichen Spezialisierung und Standardisierung in Beziehung mit dem Aufkommen sozialer Komplexität, die zur Bildung der ersten Staaten beitrugen, zu erforschen.

Charakterisierung der Siedlung von Arslantepe


Der Tell von Arslantepe-Malatya liegt in Ostanatolien im Gebiet des oberen Euphrats und wird seit 1961 von der Universität La Sapienza (Rom) untersucht. Diese Forschungen haben eine jahrtausendlange stratigrafische Abfolge ans Licht gebracht, die einen Zeitraum vom Spätchalkolithikum bis zur byzantinischen Zeit umfasst. Arslantepe erscheint als ein politisches und wirtschaftliches Zentrum, welches das Gebiet des oberen Euphrats lange beherrschte, und als ein Knotenpunkt verschiedener kultureller Einflüsse, der aus der Interaktion mit den anatolischen, transkaukasischen und südmesopotamischen Bevölkerungen entstand. 

Methoden und Materialien


Die Organisation der keramischen Produktion ist aus einer chaîne opératoire-Perspektive zu untersuchen, d. h. aus einer Abfolge der Entscheidungen, die von der Gewinnung der Rohstoffe über Prozesse ihrer Umwandlung bis zu fertigen Gefäßen führten. Unter den verschiedenen analytischen Methoden spielen zerstörungsfreie Beobachtungen mit bloßem Auge, Lupen, optischem Mikroskop sowie petrografische und geochemische Analysen eine wichtige Rolle, da sie Informationen über den gesamten Produktionsprozess liefern. Um bestimmte Schritte der Herstellungssequenz besser zu definieren, werden an ausgewählten Proben zusätzliche Methoden (RFA-WDS, XRD, REM-EDS, MGR, Xeroradiografie) angewandt.

Die meisten untersuchten und zu untersuchenden Proben kommen aus den verschiedenen Kontexten von Arslantepe, die zwischen dem Spätchalkolithikum und der Eisenzeit zu datieren sind (4250–712 v. Chr.). Während dieser jahrtausendlangen Besiedlung, die in der Entstehung einer neo-hethitischen Hauptstadt endet, fanden weitreichende wirtschaftliche, kulturelle und politische Veränderungen statt, die sich in der keramischen Produktionsorganisation widerspiegeln. Darüber hinaus wird auch die keramische Produktion aus nordmesopotamischen Hauptsiedlungen betrachtet werden: aus Norşuntepe in Ostanatolien und Tepecik in der Elazığ-Region; aus Nordsyrien Tell Sheikh Hassan am Ufer des Mitteleuphrat und Tell Brak am oberen Chabur/Jazira. 

Potenzial der bisherigen Ergebnisse


Die bisherigen Ergebnisse zeigen das große Potenzial archaömetrischer Analysen bei der ausführlichen Untersuchung von Standardisierungsprozessen, Spezialisierung, technologischen Innovationen und persistierenden Traditionen der Keramikherstellung in langen Zeitabschnitten und weiten geografischen Gebieten mit bedeutendem gesellschaftlichem Wandel.