Das Heiligtum der Artemis Hemera in Lousoi: Kultpraxis in spätgeometrischer und archaischer Zeit

In den frühen Kult der Artemis Hemera im arkadischen Lousoi (Peloponnes) gibt ein geschlossener Kontext mit deponierten Keramikgefäßen, Votiven und Opferresten des späten 8. bis beginnenden 5. Jhs. v. Chr. Einblick. Durch kombinierte funktionale Analyse aller Fundgattungen sollen die Kultpraxis untersucht und Aufschluss über die Kultgemeinde gewonnen werden.

Lousoi, Artemisheiligtum. Grabung im Votivdepot (im Mittelgrund links) und im Bereich des Ostgebäudes (im Mittelgrund rechts), Gesamtansicht mit Ostprofil. Im Vordergrund das Ostfundament des hellenistischen Artemistempels (1997) (Foto: ÖAW-ÖAI/G. Ladstätter)

Zeugnisse des Artemiskults in spätgeometrischer und archaischer Zeit


Dieses Projekt ist der Abschluss der über 100-jährigen Forschungstätigkeit österreichischer Archäologie zu den frühen Phasen des Heiligtums der Artemis Hemera im nordwestlichen Arkadien. Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen die Keramikgefäße aus einer Votivdeponierung der spätgeometrischen und archaischen Zeit. Diese wurde bei der Ausgrabung ungestört angetroffen und gibt daher unmittelbaren Einblick in das Kultgeschehen vom 8. Jh. bis zum Anfang des 5. Jhs. v. Chr. In der Deponierung fanden sich neben der Keramik, die den Hauptteil ausmacht, auch Knochen der geopferten Tiere, Werkzeuge sowie verschiedene Votivgaben, vor allem Terrakottafiguren und Schmuck aus Metall, Knochen, Elfenbein und Bernstein. Der Großteil der Gefäße wurde bei den Kultmählern verwendet, bei denen man das Fleisch der Opfertiere gemeinschaftlich verzehrte. Manche Objekte wurden der Göttin als Weihgeschenke dargebracht, darunter zahlreiche Miniaturgefäße. Die kombinierte funktionale Analyse aller Fundgattungen liefert Einblicke in die Rituale und die anderen Vorgänge im Heiligtum während der frühgriechischen Epoche, aus der kaum schriftliche Zeugnisse vorhanden sind.

Der Vergleich der Funde aus dem extraurbanen Heiligtum der Artemis mit zeitgleichen Fundkomplexen aus dem Stadtzentrum von Lousoi erlaubt Rückschlüsse auf Unterschiede zwischen sakralen und profanen Sitten im frühen Arkadien.

Lousoi, Artemisheiligtum. Archaische Miniaturgefäße aus dem Votivdepot (Foto: ÖAW-ÖAI/K.-V. von Eickstedt)

Keramikarchäometrie


Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf archäometrischen Analysen mittels Petrografie und Röntgenfluoreszenz, um Herkunft und Herstellungstechnik der Keramik zu bestimmen. In Zusammenarbeit mit anderen archäometrischen Projekten auf der Peloponnes und am Golf von Korinth wird es möglich sein, importierte Gefäße in Lousoi zu identifizieren. Dadurch wird eine Vorstellung von der Ausstrahlung des Artemisheiligtums und von seiner Position innerhalb des regionalen und überregionalen Netzwerks, in das es eingebunden war, möglich.

Lousoi, Artemisheiligtum. Funktionsanalyse des Keramikinventars aus dem Votivdepot (Grafik: ÖAW-ÖAI/A. v. Miller)

Das Kultprofil der Artemis Hemera von Lousoi


Das charakteristische Profil des Artemiskults in Lousoi soll durch den Vergleich mit anderen Heiligtümern derselben Göttin herausgearbeitet werden. In geometrischer und archaischer Zeit war die griechische Religion sehr durch lokale und regionale Wesenszüge geprägt. Diese kontrastieren mit panhellenischen Elementen, die seit den Dichtungen von Homer und Hesiod immer stärker an Bedeutung gewannen.

Religionsgeschichte der Peloponnes


Mit dem Projektende wird das Heiligtum der Artemis von Lousoi die einzige Kultstätte der geometrischen und archaischen Zeit im nordwestlichen Arkadien sein, deren archäologische Evidenz vollständig analysiert und publiziert vorliegt. Damit wird ein grundlegenden Beitrag zur Archäologie, Religions- und Kulturgeschichte der Peloponnes geleistet.