Das Artemision von Ephesos von den Anfängen bis zu Alexander dem Großen

Das Artemision war das Hauptheiligtum von Ephesos. Durch die kontextuelle Auswertung aller bisherigen Grabungen soll die Entwicklung von Kult und Heiligtum von den Anfängen bis zum Bau des ›Weltwunder-Tempels‹ untersucht werden. Besondere Schwerpunkte liegen auf der Rekonstruktion und Datierung der frühen Tempel und auf den Elektronmünzen.

Ephesos, Ansicht des Artemisions von Osten (Foto: ÖAW-ÖAI/N. Gail)

Vom städtischen Heiligtum zu überregionaler Bedeutung


Das Artemision war das Hauptheiligtum der Polis Ephesos. In archaischer Zeit erlangte es überregionale Bedeutung. Diese verdankte es insbesondere dem Engagement der Lyder, deren letzter König Kroisos der wichtigste Stifter des ersten großen Marmortempels (Dipteros 1) war. Der Nachfolgebau, der im späten 4. Jh. v. Chr. errichtet worden war (Dipteros 2), wurde von antiken Schriftstellern zu den sieben Weltwundern gezählt. Artemis Ephesia wurde von da an im gesamten Mittelmeer verehrt.

Ephesos, Phasenplan der Tempel der Artemis Ephesia und ihrer Altäre, 7.–4. Jh. v. Chr. (Plan: ÖAW-ÖAI/M. Weißl, M. Kerschner, I. Benda-Weber)

Kontextuelle Aufarbeitung der Grabungsergebnisse in Zusammenschau


Die Forschungsgeschichte des Artemisions ist komplex. Grabungen fanden in vier Hauptetappen und mit unterschiedlichen Methoden statt (J. T. Wood 1869/1874, D. G. Hogarth 1904/1905, A. Bammer 1965/1995, S. Ladstätter, seit 2014). Dazu gibt es eine Reihe von Vorberichten und Einzelstudien unterschiedlicher Aussagekraft, bisher jedoch keine zusammenfassende Darstellung der Gesamtentwicklung von Heiligtum und Kult. Projektziel ist, die bisherigen Ergebnisse der Grabungen und Materialstudien zusammenzufassend auszuwerten, um auf diese Weise den Aufstieg des Heiligtums von seinen bescheidenen Anfängen in den ›Dunklen Jahrhunderten‹ bis hin zur Errichtung des ›Weltwunder-Tempels‹ nachzuzeichnen.

Rekonstruktion und Neudatierung der frühen Tempel


Durch die Auswertung der Stratigrafie ist es nun möglich, eine fundierte und genaue Rekonstruktion der frühen Tempelbauten und zugehöriger Strukturen vorzulegen. Das detaillierte Studium der Keramikfunde erbrachte eine gegenüber den Vorberichten revidierte Chronologie der frühesten Tempelbauten, die innerhalb der frühgriechischen Architektur eine Schlüsselrolle spielen.

Vom Kontext zum Kult


Die kontextuelle Auswertung der Fundassemblagen ermöglicht eine Rekonstruktion des Kultgeschehens und der Weihepraxis. Für die Tieropfer und die anschließenden Kultmähler stellen die Knochenreste ein primäres Zeugnis dar. Unter den Weihgeschenken spielen solche aus Gold und Elektron eine herausragende Rolle im archaischen Artemision. Die in dem und um den Naos 2 gefundenen Elektronmünzen geben entscheidende Anhaltspunkte für die Datierung der Anfänge der Münzprägung.

Ephesos, Vorderseite einer Elektronmünze (Trite) mit einem kauernden Löwen mit ›Stirnwar-ze‹ (Foto: ÖAW-ÖAI/N. Gail)
Ephesos, Vorderseite einer Elektronmünze (Trite) mit einem kauernden Löwen mit ›Stirnwarze‹ (Foto: ÖAW-ÖAI/N. Gail)