EPHESOS: DAS FELSHEILIGTUM VON METER, ZEUS UND APOLLON AUF DEM PANAYIRDAǦ

Das klassisch-hellenistische Felsheiligtum auf dem Panayırdaǧ zählt zu den ältesten bekannten Kultstätten von Ephesos. Weihinschriften belegen die Verehrung von Meter, Zeus und Apollon. Erhalten haben sich Inschriften und Reliefs im Fels, Reliefstelen sowie Kultgeschirr und Votive. Die Grabung 2009 erbrachte einen für Naturheiligtümer einmaligen In-situ-Befund.

Das Felsheiligtum am Nordostabhang des Panayırdaǧ. Drohnenaufnahme (Foto: ÖAI-ÖAW/C. Kurtze)
Das Felsheiligtum am Nordostabhang des Panayırdaǧ. Drohnenaufnahme (Foto: ÖAI-ÖAW/C. Kurtze)

Kult im schroffen Fels


Der heilige Bezirk für Meter, Zeus und Apollon liegt am rauen Nordostabhang des Panayırdaǧ, außerhalb der hellenistisch-römischen Stadt. Der Kult wurde in der unveränderten Naturlandschaft ausgeübt. Architektur gab es nicht. In die steilen Felsabbrüche wurde eine große Anzahl von Nischen eingehauen, die Weihreliefs aufnahmen. Viele Reliefstelen wurden auch frei aufgestellt; von ihnen zeugen die Bettungen im Stein. Felsinschriften belegen die Verehrung von Meter, Zeus und Apollon und markierten ihre Bezirke.

Das zweitälteste Heiligtum von Ephesos


Die ältesten Zeugnisse des Kultes im Felsheiligtum reichen in das 5. Jh. v. Chr. zurück. Damit ist dieses Heiligtum nach dem Artemision das zweitälteste, das in Ephesos bisher archäologisch fassbar ist. Der Höhepunkt der Kultaktivität lag im späten 4. und im 3. Jh. v. Chr. Gesicherte Zeugnisse aus dem späten Hellenismus und der Kaiserzeit fehlen hingegen.

Felsnischen für Weihreliefs im Meter-Heiligtum (Foto: ÖAI-ÖAW/N. Gail)
Felsnischen für Weihreliefs im Meter-Heiligtum (Foto: ÖAI-ÖAW/N. Gail)
Grabung 2009 auf der frühhellenistischen Terrasse vor der Befestigungsmauer: Weihrelief in situ (Foto ÖAI-ÖAW/M. Kerschner)
Grabung 2009 auf der frühhellenistischen Terrasse vor der Befestigungsmauer: Weihrelief in situ (Foto ÖAI-ÖAW/M. Kerschner)

Das Felsheiligtum der Meter auf dem Panayırdaǧ


Die ersten Ausgrabungen in dem heiligen Bezirk unternahm J. Keil 1926. Es folgten Surveys von F. Alanyalı (1999-2001). 2009 wurde unmittelbar vor der Befestigungsmauer der klassischen Siedlung auf dem Nordostplateau des Panayırdaǧ eine bisher unbekannte Terrasse des Heiligtums der Meter entdeckt. Dort fanden sich zehn ganz erhaltene Marmorreliefs mit der Darstellung der Göttin Meter; vier davon wurden noch in ihrer ursprünglichen Aufstellungssituation angetroffen.

Kontextuelle Datierung für Weihreliefs


Versiegelt durch den darüber liegenden Versturz des Lehmziegelaufbaues der Befestigungsmauer hat sich hier ein einmaliger Befund erhalten: Votivstelen, Inschriften, Tierknochen, Kultgeschirr, Terrakottafiguren und andere kleine Weihegaben wurden in einem gemeinsamen Kontext angetroffen. Ein solcher geschlossener stratigrafischer Befund ist äußerst selten in Meter-Heiligtümern und erlaubt eine Rekonstruktion des frühhellenistischen Kultgeschehens. Darüber hinaus können nun erstmals Weihreliefs der Meter anhand ihres Kontextes datiert werden, womit eine Überprüfung der vorgeschlagenen stilistischen Datierungen möglich wird.

Frühhellenistische Terrakottafigur der Göttin Meter. Grabung 2009 (Foto: ÖAI-ÖAW/N. Gail)
Frühhellenistische Terrakottafigur der Göttin Meter. Grabung 2009 (Foto: ÖAI-ÖAW/N. Gail)