Schiffswrack »Illes Formigues 2«

In 46 m Tiefe wurde vor dem kleinen Archipel der Illes Formigues (Palamós, Spanien) im Jahr 2016 ein römisches Schiffswrack entdeckt. Seit 2017 erfolgen an der Fundstelle Feldforschungen.

Im Rahmen des Forschungsprojekts des »Centre d’Arqueologia Subaquàtica de Catalunya« (CASC) obliegt dem ÖAI die Auswertung des Frachtguts aus dem Schiffswrack. Im Zentrum des Forschungsinteresses stehen jene rund 1.000 Amphoren, die das Schiff geladen hatte. Sie stammten ausnahmslos aus der Region um Cádiz in Südspanien und dienten dem Transport von Produkten der fischverarbeitenden Betriebe dieser Region.

Eine erste Begutachtung der Funde hat gezeigt, dass das Schiff samt seiner Ladung in frühaugusteischer Zeit gesunken war, vermutlich zwischen 20 und 10 v. Chr. Die vorläufige Beurteilung der Konstruktion des Schiffes weist auf seine Fertigung in Italien hin. Die kombinierte wissenschaftliche Auswertung von Bautyp und Schiffsladung wird unter Berücksichtigung der Lage der Fundstelle einen Beitrag zur Rekonstruktion von Handelsbeziehungen und Handelsrouten in der frühesten römischen Kaiserzeit leisten. So ist etwa der Ausgangshafen dieses mittelgroßen antiken Frachtschiffs in Südspanien zu suchen, wahrscheinlich in Gades-Cádiz, wo auch der römische Zoll (portorium) eine Niederlassung hatte. Der Zielhafen darf im heutigen Südfrankreich vermutet werden, wo vor allem Narbo-Narbonne oder Arelate-Arles infrage kommen. Von dort aus dürften die Transportamphoren über eine der bekannten Flussrouten entlang von Aude/Garonne oder Rhône/Rhein weiter nach Aquitanien oder in den Nordwesten des Imperium Romanum verschifft worden sein. Die Fundspektren frühaugusteischer Militäranlagen legen nahe, dass die Fracht des Schiffswracks »Illes Formigues 2« der Versorgung der am Rhein stationierten römischen Truppen dienen sollte.