Sidon: Protogeometrische und geometrische Keramik

Symbolismen und soziale Bedeutung des Weinkonsums mit griechischem Geschirr in der Levante

Die früheisenzeitliche griechische Keramik in der Levante wurde früher als Beweis für griechische Präsenz im östlichen Mittelmeer betrachtet. Heute wird diese Keramik hingegen als ein spezielles Trinkgeschirr verstanden, das von der einheimischen levantinischen Bevölkerungen verwendet wurde und in Einzelfällen voller Symbolismus war.

Fragment eines Skyphos mit hängenden konzentrischen Halbkreisen aus Sidon (Foto: S. Gimatzidis)
Fragment eines Skyphos mit hängenden konzentrischen Halbkreisen aus Sidon (Foto: ÖAW-ÖAI/S. Gimatzidis)
Fragment eines Tellers mit hängenden konzentrischen Halbkreisen aus Sidon (Foto: S. Gimatzidis)
Fragment eines Tellers mit hängenden konzentrischen Halbkreisen aus Sidon (Foto: ÖAW-ÖAI/S. Gimatzidis)

Das Fundspektrum der griechischen Keramik in Sidon


Nach der neuen Ausgrabungen von Claude Doumet Serhal während der zwei letzten Jahrzehnte in Sidon zählt diese phönizische Metropole zusammen mit Tyros, al Mina und Tell Ta‘yinat zu den Fundstätten mit der größten Anzahl früheisenzeitlicher griechischer Keramik in der Levante. Ein interessanter Aspekt in der Verwendung griechischer Keramik in Sidon ist, dass sie ununterbrochen von der protogeometrischen bis zur spätgeometrischen Zeit in diese phönizischen Stadt importiert wurde. Ein anderer wichtiger Aspekt ist das Formenrepertoire, das seitens der griechischen Werkstätten eine exportorientierte Strategie verrät. Die Phönizier verwendeten während der Früheisenzeit oft Teller mit konzentrischen Halbkreisen, auf Euböa gefertigt, aber selten in der Ägäis selbst gefunden. Im Laufe der Zeit wird der Skyphos die beliebteste Form des griechischen Trinkgeschirrs im Orient. Man muss diesen Wechsel, der sich im kulturellen Material Sidons manifestiert, vor dem Hintergrund des kulturellen Austauschs im Bereich des sozialen Ritus des Weinkonsums sehen.

Kontexte


Die Bedeutung der neuen Funde aus Sidon liegt daran, dass es dank einer modernen Grabung zum ersten Mal in der Levante möglich ist, einen relativ großen Fundkomplex griechischer Keramik in seinem Kontext zu untersuchen. Die Keramik kommt aus geschlossenen Kultkontexten, was für eine rituelle Verwendung spricht und zum ersten Mal eine statistische Auswertung sowie eine vergleichende Studie der griechischen und phönizischen Keramik aus denselben Kontexten erlaubt. Geplant ist eine Reihe von Radiokarbonanalysen, die nicht nur eine feste absolute Chronologie für die früheisenzeitliche Stratigrafie von Sidon anbieten werden, sondern auch die Korrelation der levantinischen und ägäischen Chronologie weiterführen sollen. 

Soziale und ideologische Konnotationen


Die späteste griechische geometrische Keramik aus Sidon datiert in der Zeit der Übernahme des Symposiums in der Ägäis, einer Zeit des wechselseitigen kulturellen Austauschs. Besonders wichtig für das Verständnis der griechischen Keramik im Orient ist die Ikonografie eines großen Kraters aus Sidon, dessen Symbolismen vor dem Hintergrund lokal orientalischer religiöser Ideologien besser verstanden werden können.