Keramikstudien in Limyra

Die Keramikforschung in Limyra erfolgt im Rahmen verschiedener kontextueller Aufarbeitungsprojekte. Der zeitliche Rahmen reicht von der klassischen bis in die frühbyzantinische Zeit. Ziel ist es, eine möglichst lückenlose Typochronologie der limyräischen Keramik zu erstellen und die diachrone Entwicklung von Produktion, Konsum und Handel nachzuzeichnen.

Studien zur hellenistischen Keramik


Die hellenistische Keramik aus Limyra wird im Rahmen eines an der LMU München angesiedelten und von O. Hülden (ÖAI) betreuten Dissertationsprojekts in einen größeren Kontext gesetzt und ihre Bedeutung im gesamten südwestlichen Kleinasien untersucht. Momentan wird das Fundmaterial aus den Grabungen am Westtor (2011–2012) analysiert, zudem erfolgt eine Erfassung der Keramik der Grabungen um den Xñtabura-Sarkophag – ein trotz seiner Störung bedeutender und in sich weitgehend geschlossener Grabbefund. Einen weiteren Baustein bilden die Keramikfunde aus den sog. Hanghaus-Grabungen.

Studien zur (früh-)kaiserzeitlichen Keramik in Limyra


In der Weststadt von Limyra (Grabungen 2002–2005) bietet ein geschlossener Fundkomplex die bisher erste Gelegenheit, (früh-)kaiserzeitliche Keramik aus Limyra zu untersuchen. Das Fundmaterial aus der Füllung der Fundamentgrube für eine Mauer liefert einen terminus post/ad quem für die Entstehung der Mauer vom Ende des 1. Jhs. v. Chr. bis in das erste Viertel des 1. Jhs. n. Chr. Später erfolgte im schmalen Bereich zwischen dieser Mauer und der aufgegebenen klassischen Stadtmauer eine Einschüttung. Das daraus stammende Keramikensemble weist eine typische Zusammensetzung der Waren und Formen des ausgehenden 1. Jhs. und der ersten Hälfte des 2. Jhs. n. Chr. auf und lässt somit die Benutzung der Deponie in diesem Zeitraum erschließen. Während die Küchenware derzeit eingehend untersucht wird, wurde das Tafelgeschirr aus dem Fundkomplex bereits im Rahmen einer Dissertation bearbeitet und zur Publikation in der Reihe »Forschungen in Lykien« eingereicht.

Studien zur spätantik-frühbyzantinischen Keramik in Limyra


a) Das Fundmaterial aus der Theatertherme

Das keramische Fundmaterial aus den Grabungen in der Theatertherme (2007–2010) ermöglicht eine kontextuelle Auswertung limyräischer Keramik vom Späthellenismus bis in die mittelbyzantinische Zeit. Darüber hinaus gibt es erstmals stratigrafische Anhaltspunkte für die Erforschung der Keramik aus den sog. Dunklen Jahrhunderten. Die Keramikfunde belegen eine Weiter- oder Nachnutzung der Badeanlage bis mindestens in die mittelbyzantinische Zeit. Die aktuellen Arbeiten konzentrieren sich auf die Digitalisierung und Erstellung einer Datenbank.

b) Das Fundmaterial der beiden spätantiken Tore im Westen und Osten von Limyra

Das Fundmaterial aus den Ausgrabungen im Bereich der spätantiken Tore im Westen und Osten wurde von 2013-2016 untersucht, um ein besseres chronologisches Verständnis der beiden Fundorte und deren Bedeutung in der Stadtentwicklung Limyras zu gewinnen. Die bearbeitete Keramik gibt zudem wichtige Aufschlüsse über den wirtschaftlichen Rahmen, in den Limyra vom 5. bis 7. Jh. n. Chr. eingebunden war. Die reichlichen Keramikfunde umfassen sowohl regionale als auch überregionale Produkte. Während die regionalen Werkstätten überwiegend Gebrauchskeramik, wie etwa Krüge, Kochtöpfe und z.T. Tafelgeschirr mit Überzug, und vermutlich auch keramisches Baumaterial (Dachziegel, Distanzhalter) produzierten, wurden vor allem östliche Amphoren und der Großteil des Tafelgeschirrs importiert, wobei beide Produkttypen aus mehreren, unterschiedlichen Quellen bezogen wurden.

Besonders auffällig ist das hohe Aufkommen an Pontischen „Carrot Amphorae“ im Bereich der spätantiken Stadttore. Dieser Amphorentyp tritt außerdem auch häufig im Fundspektrum der spätantiken Schichten in den Grabungen von 2016 auf, die im Rahmen des Projekts zur hellenistischen Urbanisierung Limyra durchgeführt wurden. Ihre Präsenz ist ein Indikator für den Einfluss der pontischen Agrarproduktion im östlichen Mittelmeerraum. Im Zuge der weiteren Auswertung wird u.a. diesem Phänomen nachgegangen werden.