Pompejanisch-rote Ware und Derivate aus Ephesos

Kombinierte archäologische und archäometrische Analysen der sog. pompejanisch-roten Ware bezeugen nicht nur den Import von Prototypen dieser Keramik aus Kampanien im 1. Jh. v. und 1. Jh. n. Chr., sondern erlauben auch die Identifikation von Imitaten und Derivaten aus westkleinasiatischen Produktionen.

Ephesos, Beispiel einer pompejanisch-roten Platte mit Herkunft Phokaia (Foto: ÖAW-ÖAI/N. Gail)
Ephesos, Beispiel einer pompejanisch-roten Platte mit Herkunft Phokaia (Foto: ÖAW-ÖAI/N. Gail)

Als Pilotstudie konzipiert, widmet sich dieses Projekt erstmals der detaillierten interdisziplinären Charakterisierung einer speziellen Ware von Kochkeramik aus Ephesos, anhand derer sich unter anderem die Übernahme von römischen Speisesitten aus dem Westen verdeutlichen lässt: pompejanisch-rote Ware ist primär durch Kochplatten repräsentiert, die formtypologisch eine recht homogene Gruppe darstellen, dennoch durch eine gewisse Variabilität – insbesondere hinsichtlich des Fabrikats – gekennzeichnet sind.

Keramikvariabilität: makroskopisch und mikroskopisch


Ausgangspunkt naturwissenschaftlicher Analysen bildete die Beobachtung, dass die Tonzusammensetzung der einzelnen Keramikfragmente als auch die Qualität ihrer Überzüge Veränderungen unterworfen war. Petrografische Analysen ausgewählter Proben erbrachten die Bestätigung hierfür und legten deren Herkunft aus drei unterschiedlichen geologischen und geografischen Gebieten nahe.

Ephesos, phokäische Produktion im Dünnschliff (Foto: ÖAW-ÖAI/L. Peloschek)

Herkunftsbestimmung und technologische Aspekte


Während der Import kampanischer Prototypen pompejanisch-roter Ware nach Ephesos evident ist, weisen die Gesteinseinschlüsse zweier petrografischer Fabrikatsgruppen auf eine Provenienz in Westkleinasien hin. Konkret handelt es sich um Produktionen aus dem Raum Ephesos und Phokaia, wobei Letztere mit insgesamt drei in ihrer Zusammensetzung leicht variierenden Tonpasten vertreten ist. Die Dicke des für die Ware namensgebenden dunkelroten Überzugs fällt bei den Derivaten deutlich geringer aus als bei den Originalen aus Kampanien.

Ephesos, Fabrikat und roter Überzug eines Derivats aus ephesischer Produktion (Foto: ÖAW-ÖAI/L. Peloschek)

Römische Kochsitten


Anhand der abweichenden Tonzusammensetzung und Oberfläche der Kochplatten lassen sich für kampanische und westkleinasiatische Keramiken differierende physische Eigenschaften rekonstruieren. Diese hatten einen direkten Einfluss auf die in ihnen durchgeführten Kochtätigkeiten und -praktiken, wobei zu diskutieren bleibt, inwiefern eine Übernahme römischer Kochsitten angestrebt wurde.