Lampen aus Ephesos in der hellenistischen Welt

Ephesos-Lampen sind eines der meistverbreiteten Produkte der ephesischen Keramikproduktion hellenistischer Zeit. Eingebettet in den sozio-politischen und kulturellen Rahmen, werden durch ihre Erforschung Aspekte der ephesischen Handwerksproduktion vom 2. Jh. v. Chr. bis in die augusteische Zeit beleuchtet. Über das Verbreitungsmuster der Ephesos-Lampen sind Aufschlüsse über die kulturelle Verflechtung im antiken Mittelmeerraum und darüber hinaus zu erwarten.

Verschiedene Typen von Ephesoslampen (Foto: ÖAW-ÖAI/Niki Gail)

Einleitung


In fortgeschrittener hellenistischer Zeit wurde Ephesos immer bedeutender und entwickelte sich zu einem blühenden Handelsknotenpunkt im Mittelmeerraum. Gleichzeitig entstand eine Feinkeramikproduktion, deren Werkstätten ihre eigenen unverkennbaren Merkmale entwickelten. Eines der populärsten Produkte dieser Werkstätten waren – neben Reliefbechern und grauen Platten mit schwarzem Überzug – modelgeformte sog. Ephesos-Lampen.

Forschungsstand


Der Terminus »Ephesos lamp« wurde 1914 von H. B. Walters in seinem Katalog griechischer und römischer Lampen des British Museum geprägt. Seitdem wurde der Begriff für modelgeformte, in Ephesos produzierte hellenistische Lampen, aber auch für deren Imitationen verwendet. Der Lampentyp wurde in ephesischen Keramikateliers ab der Mitte des 2. Jhs. v. Chr. hergestellt und blieb bis in die ersten Jahrzehnte des ersten nachchristlichen Jahrhunderts der bevorzugte Beleuchtungskörper in Ephesos selbst. Nach ihrem Erscheinungsbild und ihrem Fabric können die Lampen der typischen ephesischen glimmrigen grauen Ware zugeordnet werden. Sie sind charakterisiert durch unverwechselbare morphologische Merkmale und einen markanten geometrischen floralen und/oder figuralen Reliefdekor. Eine große Anzahl solcher Lampen und entsprechende Modelfunde kamen an verschiedenen Fundorten der antiken Metropole selbst, aber auch im gesamten Mittelmeerraum und darüber hinaus zutage, teilweise wurden sie auch imitiert.

Lampenmodel für Ephesoslampen (Foto: ÖAW-ÖAI/Niki Gail)

Das Studium der Ephesoslampen


Die Entwicklung dieses späthellenistischen ephesischen Handwerksprodukts soll – eingebettet in den sozio-politischen und kulturellen Hintergrund – nachgezeichnet werden. Über die Ermittlung von Verbreitungs- und Konsummustern der Ephesos-Lampen können Handelsmodelle und Austausch über dynamische Vernetzungen und Netzwerke des hellenistischen Mittelmeerraums und darüber hinaus nachgezeichnet werden. Nachdem Ephesos-Lampen nicht nur regionale Verbreitung fanden, sondern auch weit entfernte Märkte erreichten, können sie als archäologische Marker der Mobilitätszunahme in späthellenistischer Zeit gelten. Die Lampen sind ein Indikator kultureller Interaktionen, die in diesem Rahmen stattfanden. 

Töpferzeichen auf Ephesoslampen und Modeln (Foto: ÖAW-ÖAI/Niki Gail)

Ziele und Methodik


Die angewandte komplementäre Methode umfasst die vergleichende Untersuchung morphologischer und stilistischer Merkmale der Ephesos-Lampen, ihrer Töpferstempel und Signaturen sowie von Lampenmodeln samt deren kontextueller Analyse. Dadurch sollen:  

  • Produkte verschiedener ephesischer Keramikateliers definiert und Kriterien erarbeitet werden, anhand derer diese untereinander und von Imitationen unterschieden werden können;
  • die typo-chronologische Entwicklung der Ephesos-Lampen nachgezeichnet werden;
  • die Verbreitung von Ephesos-Lampen und ihre Einbettung in mittelmeerweite Handels- und Austauschnetzwerke, aber auch ihre Imitationen und ihre Bedeutung in Bezug auf Akkulturationsprozesse im Mittelmeerraum nachvollzogen werden.